Kein Meer, wenig Komfort

Helmut Schmidts Urlaubsdomizil war kaum größer als eine Laube


27.08.2026 – 15:06 UhrLesedauer: 2 Min.

Helmut und Loki Schmidt vor ihrem Ferienhaus am Brahmsee im August 1981: Das schlichte Holzhaus diente dem Ehepaar über Jahrzehnte als Rückzugsort. (Quelle: Dieter Bauer/imago-images-bilder)

Helmut Schmidt brauchte für seinen Urlaub weder Küste noch Karibik. Über Jahrzehnte zog es ihn mit Loki an einen See in Schleswig-Holstein.

Als Bundeskanzler stand er im Zentrum der Weltpolitik – sein privates Refugium dagegen war denkbar bescheiden. Das frühere Ferienhaus von Helmut und Loki Schmidt stand am Brahmsee bei Langwedel, zwischen Kiel und Neumünster. Es war kaum größer als eine Schrebergartenlaube.

Im Frühjahr 1958 bezog das Ehepaar das einfache Holzhaus. Wie die „Welt“ bei einem Besuch im Jahr 2000 schrieb, bestand das Gebäude aus vier Räumen; rund 40 Jahre hatten die Schmidts dort ohne Heizung gelebt. Sein früherer Regierungssprecher Klaus Bölling habe das Haus stets nur „Baracke“ genannt, erzählte Schmidt der Zeitung.

Helmut Schmidt vor der selbst gebauten Sauna an seinem Ferienhaus im Juli 1980: Dort sprach er mit seinem Freund Willi Berkhan auch über politische Fragen. (Quelle: picture alliance / SZ Photo | Werek)

Schmidt nannte Trudeau-Geschenk „Plättbrett“

Auf dem Brahmsee ging Helmut Schmidt seiner Leidenschaft für das Segeln nach. Am liebsten sei er mit einem Conger unterwegs gewesen, berichtet das Magazin „Yacht“. Einen sportlichen Laser habe ihm der kanadische Premierminister Pierre Trudeau geschenkt. Schmidt habe das Boot jedoch nur „das Plättbrett“ genannt.

Auch am Brahmsee spielte die Politik eine Rolle. In der Außensauna habe Schmidt mit seinem Freund und früheren Parlamentarischen Staatssekretär Willi Berkhan über politische Fragen gesprochen, erzählte er der „Welt“. Staatschefs empfing Schmidt nach dem Bericht dort nie, dafür aber Musiker und Dirigenten wie Leonard Bernstein, Yehudi Menuhin und Sergiu Celibidache.

Helmut Schmidt segelt während seines Urlaubs 1978 auf dem Brahmsee: Am liebsten war er dort mit einem Conger unterwegs. (Quelle: Lothar Heidtmann/picture-alliance/dpa)

Aus einem Acker wurde Lokis „Urwald“

Direkt neben dem Ferienhaus begann Jahre später ein besonderes Naturprojekt. Wie die Loki Schmidt Stiftung auf ihrer Internetseite schreibt, bewirtschaftete ein Bauer die angrenzenden Flächen 1976 zum letzten Mal. Loki Schmidt beobachtete fortan, wie sich die Pflanzenwelt auf dem nicht mehr genutzten Land weitgehend ungestört veränderte.

Erst 1986 gelang es den Schmidts, das Gelände zu kaufen. Die Fläche umfasste damals 6,5 Hektar. Loki Schmidt überließ sie weitgehend der Natur. Aus Magerrasen und Gebüsch wuchs nach und nach ein junger Wald. Die Deutsche Botanische Gesellschaft würdigte das Projekt später als „eine Pionierleistung des wissenschaftlich fundierten Naturschutzes“. Zunächst prägten vorwiegend Birken und Pappeln das Areal. Mittlerweile setzen sich zunehmend Bergahorn, Stieleiche und Rotbuche durch.

Helmut und Loki Schmidt beim Schachspiel im Garten ihres Ferienhauses im August 1973: Das einfache Holzhaus nutzte das Ehepaar seit 1958. (Quelle: Sven Simon/imago-images-bilder)
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