Gescheiterter Gipfel
Scholz kritisiert Merz: „Blamabel“
Aktualisiert am 10.09.2024 – 20:46 UhrLesedauer: 3 Min.
Nach dem abgebrochenen Migrationsgipfel machen sich die Parteien gegenseitig Vorwürfe. Der Bundeskanzler kritisiert Friedrich Merz scharf.
CDU und CSU haben sich nicht mit Vertretern der Bundesregierung auf weitere Verschärfungen der Migrationspolitik einigen können. Es habe „kein gemeinsames Ergebnis“ gegeben, teilte der Parlamentarische Geschäftsführer Thorsten Frei (CDU) nach den Gesprächen in Berlin mit. Alle Vorschläge, die von der Ampel gemacht wurden, haben laut Frei „nicht auf zusätzliche Zurückweisungen abgezielt.“
Frei kritisierte, vorgelegte Vorschläge zielten nicht auf zusätzliche Zurückweisungen, sondern auf beschleunigte Verfahren im Land. Sie würden damit den Herausforderungen nicht gerecht. Die Union werde aber „alles unterstützen, was unserem Land hilft“. Die Union hatte vor dem Gespräch zur Bedingung gemacht, dass dabei auch über umfassende Zurückweisungen an den Grenzen gesprochen wird.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte nach Informationen von t-online vorgeschlagen, die Bundespolizei solle künftig bei unerlaubten Einreisen, wenn jemand ein Asylgesuch äußert, prüfen, ob womöglich ein anderer Mitgliedstaat für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig ist, sowie den Ausländer befragen. Dabei könne ein Rückgriff auf die Identifizierungs-Datenbank Eurodac helfen. Anschließend könne die Bundespolizei dann beim zuständigen Gericht Haft wegen Fluchtgefahr beantragen, sofern Haftkapazitäten zur Verfügung stehen. Mehr dazu lesen Sie hier.
Ähnlich kritisch wie CDU-Politiker Frei äußerte sich auch der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz: „Die Bundesregierung ist intern offensichtlich heillos zerstritten und kann sich nicht auf wirksame Maßnahmen einigen“, erklärte der CDU-Vorsitzende nach dem Ende der Beratungen auf der Plattform X. „Die Ampel kapituliert vor der Herausforderung der irregulären Migration“, schrieb Merz weiter und fügte hinzu: „Die Bundesregierung ist handlungsunfähig und führungslos.“
Video | Union erklärt Gespräche mit der Ampelregierung für gescheitert
Quelle: Glomex
Der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Alexander Dobrindt, kritisierte nach den Beratungen vor allem die Grünen: Laut Dobrindt sei die Bundesregierung „grün-blockiert“ und sei „nicht zu wirksamen Maßnahmen zur Begrenzung der irregulären Migration in der Lage“, sagte Dobrindt der „Bild“-Zeitung.
Der Grünen-Co-Parteichef Omid Nouripour kritisierte im Gegenzug die Union: „Was für ein Schmierentheater der Union. Es geht ganz offensichtlich nicht um die Sache, nicht um tatsächliche Sorgen, sondern schlicht um Überschriften, Lautstärke und Profilierung“, sagte Nouripour t-online. Mit Verantwortung habe das „nichts zu tun“. Die Union habe überdeutlich gezeigt, dass sie zu einer gemeinsamen Lösung nicht in der Lage sei. Für die Bundesregierung gelte dagegen weiterhin, dass man „tragfähige, wirksame und europarechtskonforme Antworten“ geben wolle.
Auch Bundeskanzler Olaf Scholz erhob schwere Vorwürfe gegen Merz. „Ich kann nur sagen: Das Rausgehen aus dieser Runde, das stand schon vorher fest. Und das ist blamabel für diejenigen, die das zu verantworten haben“, sagte Scholz am Dienstagabend auf einer Veranstaltung des sogenannten Seeheimer Kreises der SPD-Bundestagfraktion in Berlin.
„Führung sieht anders aus. Charakter, Ehrlichkeit und Festigkeit sind für dieses Land gefragt und nicht solche kleinen Taschenspielertricks und Provinz-Schauspielereien“, sagte der SPD-Politiker. Führung bedeutet Führung, bei den eigenen Leuten. Führung bedeutet, dass man nicht davonläuft. Und Führung bedeutet, dass man Kompromisse machen kann.“ Aber das müsse man dann auch wollen. Zugleich kündigte Scholz an, dass die Ampel-Regierung die am Dienstag von Innenministerin Nancy Faeser vorgelegten weiteren Maßnahmen für ein effektiveres Grenzmanagement und mehr Zurückweisungen auch ohne die Union umsetzen werde.
Auch der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer (SPD), kritisierte Merz für den Abbruch der Gespräche scharf. „Das ist reines Parteidenken, das hat offensichtlich keine Kanzlerqualität“, sagte Schweitzer.
