Die Beauty-Branche und die sozialen Medien weisen einige Schnittstellen auf. Mit t-online spricht nun ein Experte über die entsprechenden Auswirkungen.

Auf Social Media gewähren zahlreiche Promis Einblicke in ihr Leben sowie in ihre Arbeit. Seit der Corona-Zeit kann sich auch Rouben Czwikla zu dieser Kategorie dazuzählen. Als Doc Rouben teilt der Arzt aus Wiesbaden mit seinen fast 215.000 Tik-Tok-Followern Tipps und Tricks rund um das Thema Beauty, zeigt auch direkte Ausschnitte seiner Tätigkeit.

Mit seinen Videos hat er nicht nur den ein oder anderen Social-Media-Nutzer auf sich aufmerksam gemacht, sondern auch die „Bunte“. Am 11. September 2024 verleiht das Magazin zum ersten Mal die „Bunte Beauty Stars“. In insgesamt fünf Kategorien werden hier sowohl Produkte als auch entsprechende Personen geehrt. So soll auch ein Beauty-Creator zum „Social-Media-Star“ gekürt werden.

Rouben Czwikla ist einer der Nominierten, die heute Abend auf den Preis hoffen. Im Interview mit t-online sprach der Beauty-Doc vorab aber nicht nur über den Award, sondern vor allem auch über die Verknüpfung von Schönheitseingriffen und den sozialen Medien, sowie über die Chancen, aber auch die Risiken, die dabei einhergehen.

t-online: Herr Czwikla, auf Social Media wird immer offener über Schönheitseingriffe gesprochen. Ärzte zeigen, was möglich ist, Promis offenbaren ihre Optimierungen. War das ein Boom für die Beauty-Branche?

Rouben Czwikla: Die Nachfrage nach Behandlungen der ästhetischen Medizin ist über die letzten Jahre massiv gestiegen. Jeder versucht sich ein bisschen zu optimieren – egal, ob 18 oder 85 Jahre alt. Social Media hat dazu beigetragen. Ärzte nutzen die Plattform, um über Behandlungen zu informieren. Viele wissen gar nicht, was es überhaupt alles für Eingriffe gibt. Die sozialen Medien haben einen sehr hohen Stellenwert für die Beauty-Branche, aber sie haben auch ihre Kehrseite …

Alle zeigen auf Social Media nur ihre perfekten Fotos, nutzen Bildbearbeitungsprogramme und Filter, jeder wirkt makellos schön. Das ist vor allem für jüngere Menschen ein Problem. Sie können Komplexe bekommen und denken, sie müssen mit 20 Jahren anfangen, sich Botox oder Hyaluronsäure spritzen zu lassen – nur um auch so auszusehen. Doch die Fotos entsprechen zum Teil gar nicht der Realität.

Auf Instagram wirkt immer alles so perfekt. Wie stehen Sie zu stark bearbeiteten Bildern?

Jeder kann das so machen, wie er oder sie möchte. Ich weiß, dass das Aussehen auf den Bildern nicht immer der Wirklichkeit entspricht. Aber die jüngere Bevölkerung, auch Minderjährige, die sehr stark mit sozialen Medien in Kontakt stehen, sind da noch nicht so reflektiert und werden getäuscht. Man sieht das Bild und denkt sich: Genau diese Lippen will ich auch. Und das erachte ich schon als problematisch.



Personen des öffentlichen Lebens werden als Vorbilder genommen, ihren wird nachgeeifert.


Rouben Czwikla


Zu den bearbeiteten Bildern kommt auch hinzu, dass immer mehr Stars offen über ihre Eingriffe sprechen. Befeuern sie damit Beauty-OPs?

Offen damit umzugehen, finde ich einen guten Ansatz. Aber Personen des öffentlichen Lebens werden als Vorbilder genommen, ihnen wird nachgeeifert. Wenn dann jemand eine besonders schöne Figur hat oder eine perfekte Nase und tolle Lippen – und dann auch noch dazu steht, nachgeholfen zu haben, und sagt bei wem und wo, dann befeuern sie das natürlich. Man denkt sich: Sie macht es, ich will so sein wie sie, dann mache ich es auch. Stars haben allerdings andere finanzielle Mittel. Als Normalsterblicher weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Das verzerrt die Realität, was ein Normalbürger investieren kann oder sollte.

Werden die Patienten immer jünger?

Ja, aber grundsätzlich sagen wir: Medizinisch nicht notwendige Eingriffe, worunter der größte Teil unserer Behandlung fällt, erst ab 18 Jahren. Aber es gibt Ausnahmen. Dazu zählen aber keine Lippenunterspritzungen oder Botoxbehandlungen, sondern zum Beispiel Behandlungen mit dem Laser: Wenn jemand schlimme Akne-Narben hat und darunter leidet, wenn jemand stark schwitzt und deswegen in der Schule gemobbt wird, oder jemand eine sehr auffällige Warze oder ein Muttermal im Gesicht hat. Dann bin ich grundsätzlich dazu bereit, wenn der Patient das möchte, weil es massiv stört, und die Eltern einverstanden sind.

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