Gestörte Navigation

Russland stört Europas GPS – Satellit misst das Ausmaß


22.06.2026 – 14:43 UhrLesedauer: 3 Min.

Satellit im Orbit: Wenn GPS ausfällt, geraten Navigation und Satellitenbetrieb ins Wanken. (Quelle: ingimage/imago)

GPS gilt als verlässlicher Wegweiser aus dem All. Doch neue Messungen zeigen: Über riesigen Gebieten Europas und des Nahen Ostens kommt von den Signalen oft nur ein Bruchteil an.

Ein Testsatellit der Firma Xona Space Systems hat erstmals aus dem All vermessen, wie weit die Störung von GPS-Signalen über Europa und dem Nahen Osten reicht. Hinter der Störung stehen vor allem Sender am Boden, die Russland und Konfliktparteien im Nahen Osten einsetzen.

Die Daten stammen vom Satelliten „Pulsar-0“, der die Erde in rund 500 Kilometern Höhe umkreist. Über Nordamerika empfing er ein klares Signal, über Europa brach es ein. In den am stärksten betroffenen Gebieten sank die Signalstärke von 40 auf bis zu 10 Dezibel-Hertz, der üblichen Maßeinheit für die Qualität eines Satellitensignals. Das ist zu schwach, um GPS verlässlich zu nutzen.

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Die gestörte Zone reichte den Messungen zufolge von Frankreich im Westen bis nach Pakistan im Osten. „Wir dachten, wir würden etwas Störung sehen, aber es ist weitaus mehr, als wir erwartet haben“, sagt Mitgründer Kazuma Gunning dem Onlinemedium „space.com“.

Auch Satelliten im Orbit verlieren das Signal

Neu an der Messung ist vor allem, wo die Störung ankommt. Bislang galt der Empfang am Boden als anfällig. Nun zeigt sich, dass auch Satelliten in niedriger Umlaufbahn das Signal verlieren. Viele von ihnen brauchen selbst GPS, um ihre Position und die genaue Uhrzeit zu bestimmen. Ohne das Signal können Aufnahmesatelliten ihr Ziel schlechter anpeilen, und Betreiber großer Satellitenflotten wie Starlink verlieren ein Mittel, um Zusammenstöße im Orbit zu vermeiden.

Wie viel davon abhängt, zeigt sich im Alltag. GPS und vergleichbare Systeme wie das europäische Galileo liefern nicht nur die Route im Auto. Rettungsdienste, Polizei und Feuerwehr steuern damit ihre Einsätze. Auch Strom- und Funknetze nutzen die Signale, um ihre Technik auf die Sekunde genau zu takten. Anfällig sind all diese Anwendungen, weil das GPS-Signal aus großer Höhe nur schwach am Boden ankommt und sich von einem stärkeren Funksignal überlagern lässt.

Woher die Störung kommt

Die Störung am Boden ist seit Jahren bekannt. Russland stört das Signal entlang seiner Westgrenze nach eigener Darstellung, um sich gegen ukrainische Drohnen zu schützen. Jeden Monat sind davon Zehntausende Flüge über der Region betroffen. Auch im Nahen Osten setzen Kriegsparteien Störsignale ein, um Drohnen abzuwehren und Schiffe zu verbergen.

Eine zweite, ebenfalls neue Untersuchung deutet auf eine andere Quelle im Weltraum. Ein Team um den Forscher Todd Humphreys von der University of Texas führt drei von 75 seit 2019 erfasste Aussetzer auf russische Frühwarnsatelliten zurück, namentlich auf den Satelliten „Kosmos 2546“. Die übrigen Fälle ordnet es derselben Gruppe russischer Satelliten zu, kann das aber nicht sicher belegen. Die Arbeit ist eine Vorabveröffentlichung und damit noch nicht von unabhängigen Fachleuten geprüft.

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