Eigentlich ist Sarah Engels eine tolle Wahl, um Deutschland beim ESC in Wien zu vertreten. Doch ihr Song bleibt leider nicht im Gedächtnis.
Tobias Schibilla berichtet aus Wien.
Mit der 33-jährigen Sarah Engels hat Deutschland eigentlich eine gute Wahl getroffen, um eine hohe Punktzahl beim Eurovision Song Contest in Wien einzufahren. Engels ist eine etablierte Künstlerin, die bereits auf großen Bühnen gespielt hat, sie hat eine gute Stimme und eine tolle Ausstrahlung.
Und doch – der Funke der Begeisterung sprang bei ihrer „Fire“-Darbietung im ersten Halbfinale in Wien nicht über. Denn der eigentlich schmissigen Pop-Nummer fehlt trotz Sarah Engels‘ gutem Auftritt im nationalen Vorentscheid und in den ersten Proben für den ESC das Element, an das sich die Zuschauer erinnern. Diesen Eindruck konnte die 33-Jährige mit ihrer Leistung im Halbfinale nicht widerlegen.
ESC 2026: Die Konkurrenz ist spannender
Nach ihrer Meinung zum deutschen Beitrag gefragt, erklärte eine kroatische Zuschauerin vor der Wiener Stadthalle dem t-online-Reporter vor Ort: „Es ist einer dieser Songs, die man vergisst, sobald sie beendet sind.“
Damit hat sie leider recht. Im Wettbewerb sind auch andere Pop-Songs vertreten, die allesamt deutlich größeren Wiedererkennungswert haben: Die Schwedin Felicia bleibt mit einem modernen, elektronischen Sound und ihrem Kleidungsstil in Erinnerung, der Däne Søren Torpegaard Lund hat ein spannenderes Bühnenbild und eine Choreografie, die in diesem Jahr im Teilnehmerfeld seinesgleichen sucht.
Sarah Engels ist nicht schlecht – ihr Song ist es
Sarah Engels‘ Song wirkt dagegen wie der klassische Radio-Hit. „Fire“ hat keine Ecken und Kanten, an die sich Zuhörer erinnern und die das Lied zwischen allen anderen Kandidaten herausstechen lassen. Wo Abor & Tynna im vergangenen Jahr noch mit einem Cello auf der Bühne und Tynnas explosiver Energie überzeugen konnten, fehlt es „Fire“ an Elementen, die im Kopf bleiben.
Das haben wohl auch die Songschreiber erkannt, aus deren Feder „Fire“ stammt. Kurz vor dem ESC in Wien gab es eine große Änderung am deutschen Beitrag: Sarah Engels startet nun nicht direkt mit dem bekannten Elektro-Pop-Sound in ihr Lied, sondern mit einer langsameren Piano-Version.
„Fire“ verschwindet zu schnell aus dem Gedächtnis
Doch auch diese Änderung verhindert nicht, dass „Fire“ sofort nach ihrem Auftritt aus dem kollektiven Gedächtnis der ESC-Fans verschwinden wird. Für das Finale am Samstag ist das ein schlechtes Omen. Denn noch schlimmer als ein Song, den die Zuschauer kollektiv nicht mögen, ist ein Lied, das sie nicht interessiert.
So wird es für Deutschland wohl in diesem Jahr besonders schwer, beim ESC-Finale am Samstag sowohl bei den Fachjurys als auch beim Publikum viele Punkte zu sammeln. Und das ist eigentlich schade. Denn Sarah Engels ist eine tolle Künstlerin, die mit einem anderen Lied sicher gute Chancen auf eine hohe Punktzahl im Finale gehabt hätte. So sieht es deshalb wieder danach aus, als würde es am Sonntag besonders oft „Zero Poins for Germany“ geben.
