Studie zu Asthma und COPD
Gängiges Magenmittel kann die Lunge zusätzlich belasten
30.06.2026 – 17:13 UhrLesedauer: 2 Min.
Wer Asthma oder COPD hat, sollte Säureblocker nicht länger als nötig einnehmen. Laut einer Studie steigt durch sie womöglich das Risiko für Krankheitsschübe.
Protonenpumpenhemmer (PPI) wie Pantoprazol oder Omeprazol gehören zu den am häufigsten verordneten Medikamenten gegen Sodbrennen und Reflux, also den Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre. Derartige Magenprobleme kommen bei Menschen mit Asthma oder COPD oft als Begleiterkrankung vor. Doch für die Betroffenen könnte eine langfristige Einnahme Nachteile haben.
Eine große belgische Studie deutet darauf hin, dass die Säureblocker mit einem erhöhten Risiko für Krankheitsschübe (Exazerbationen) verbunden sind – und zwar umso stärker, je höher die insgesamt eingenommene Medikamentendosis ist. Nachzulesen sind die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Chest“.
Gut zu wissen
Bislang gingen Fachleute davon aus, dass eine Refluxkrankheit bei Asthma oder COPD die Beschwerden anfallsweise verschlimmern könnte, da die zurückfließende Magensäure selbst Husten auslösen kann. Daher nahm man an, dass es unter der Einnahme von PPI seltener zu Krankheitsschüben kommt.
Risiko steigt mit der Einnahmedauer
Für die Studie werteten die Forscher die Krankenkassendaten von mehr als 932.000 Erwachsenen aus, die zwischen 2017 und 2021 wegen Asthma oder COPD behandelt wurden. Fast 45 Prozent nahmen Protonenpumpenhemmer ein.
Das Ergebnis: Wer dauerhaft PPI verwendete, hatte ein um 18 Prozent höheres Risiko für eine akute Verschlechterung der Atemwegsbeschwerden als Patienten ohne diese Medikamente. Außerdem zeigte sich ein Dosis-Wirkungs-Zusammenhang: Je mehr Säureblocker im Laufe der Zeit eingenommen wurden, desto höher fiel das Risiko aus. Bei den höchsten Gesamtdosen lag es rund 25 Prozent über dem von Nichtanwendern.
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Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang bei Menschen unter 50 Jahren, bei Asthma, bei Personen ohne nachgewiesene Refluxkrankheit sowie bei erhöhtem PPI-Plasmaspiegel, also einer erhöhten Wirkstoffkonzentration im Blutkreislauf.
Bei Patienten mit gesicherter Refluxkrankheit war bei einer kurzfristigen Einnahme (bis sechs Monate) das Risiko für eine akute Verschlimmerung hingegen nicht erhöht.
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Warum könnten PPI die Atemwege beeinflussen?
Die Studie beweist nicht, dass die Medikamente die Ursache für die Krankheitsschübe sind. Sie kann nur einen Zusammenhang aufzeigen. Aus Sicht der Forscher kommen jedoch mehrere mögliche Mechanismen für den Effekt infrage.
So könnten die Protonenpumpenhemmer etwa das Darmmikrobiom, also die Darmflora, verändern und dadurch Entzündungsprozesse im Körper und in der Lunge fördern. Auch ein veränderter Magensäuregehalt sowie mögliche Vitamin- und Mineralstoffmängel infolge der Medikamenteneinnahme werden als denkbare Erklärungen diskutiert.
