Ricarda Lang
„Das ist Merz heiliger als der Schutz der Bevölkerung“
04.08.2026 – 12:46 UhrLesedauer: 3 Min.

Fast 10.000 Hitzetote zählt das Robert Koch-Institut in Deutschland – und das bereits bis Mitte Juli. Grünen-Politikerin Ricarda Lang erhebt schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung.
Grünen-Politikerin Ricarda Lang wirft der Bundesregierung angesichts der Hitze vor, nicht die Klimakrise zu bekämpfen, sondern den Klimaschutz. „Der ewige Kulturkampf gegen die Wärmepumpe ist Friedrich Merz heiliger als der Schutz der Bevölkerung“, sagte Lang zu t-online. „Selbst Tage wie heute mit hoher Wärmebelastung und Unwetterwarnungen, die uns die brutale Realität einmal mehr vor Augen führen, reichen zum Umdenken nicht aus.“ Auch andere Grüne halten die Hitzeschutzmaßnahmen der Bundesregierung für unzureichend.
Lang sieht auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche in der Verantwortung. Die CDU-Politikerin führe Deutschland „zurück in die Abhängigkeit von Öl und Gas“. Die Grüne moniert: „Sie hat sich entschieden: Nicht nur will sie nicht Teil der Lösung sein, sondern hat sich zum Ziel gesetzt, das Problem noch zu verschärfen.“ Mit Erneuerbaren könne Deutschland sich „unabhängig von Diktatoren wie Wladimir Putin machen – und so bezahlbare Energie schaffen“. Es könne nicht sein, dass ein „unbekannter Verkehrsminister“ habe gehen müssen, aber Reiche noch im Amt sei.
In diesem Jahr sind nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) deutschlandweit bereits fast 10.000 Menschen wegen hoher Temperaturen gestorben. Die Zahl der hitzebedingten Sterbefälle bis zum 19. Juli liegt bei 9.800, wie aus aktuellen Zahlen des RKI zur hitzebedingten Mortalität hervorgeht. Das ist mehr als in jedem einzelnen Gesamtjahr seit 2016. Der Großteil der hitzebedingten Sterbefälle 2026 – mehr als 5.000 – geht demnach auf die heißen Tage in der zweiten Junihälfte zurück, als es im Zuge einer Hitzewelle deutschlandweit vielerorts zu Temperaturen um 40 Grad kam.
Schulze (Grüne): Klimaanlagen auf Rezept
Langs Parteikollegin Katharina Schulze fordert einen besseren Hitzeschutz besonders für ältere Menschen, Schwangere, Kinder sowie Pflegebedürftige und Kranke. „Kitas, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen müssen so ausgestattet werden, dass sie auch bei Hitzewellen sichere Orte bleiben“, so die Fraktionsvorsitzende der bayerischen Grünen zu t-online. Dazu gehörten Klimaanlagen und Kühlwesten, mobile Verschattung und mehr Trink- und Abkühlungsangebote. „Klimaanlagen auf Rezept für besonders schutzbedürftige Menschen bringen die Abkühlung direkt nach Hause.“
Schulze betonte: „Für mich ist klar: Hitzeschutz darf nicht vom Geldbeutel oder vom Wohnort abhängen.“ Man müsse nun alles tun, um die Erderwärmung zu begrenzen und gleichzeitig die Menschen vor den Folgen der zunehmenden Hitze zu schützen. „Die technischen Lösungen dafür gibt es längst: Moderne Klimaanlagen können mit Solarstrom vom Dach betrieben werden“, sagte Schulze. „Klimaanpassung und Klimaschutz gehören zusammen – das eine gelingt auf Dauer nicht ohne das andere.“