Österreich, Holland, Schweden
Wie Deutschlands Nachbarn in Rente gehen
Aktualisiert am 28.07.2025 – 15:27 UhrLesedauer: 8 Min.
Die gesetzliche Rente steht wegen des demografischen Wandels unter Druck. Deutschlands Nachbarn zeigen, welche Alternativen es gibt.
Nicht nur in Deutschland wird über ein gerechtes Rentensystem diskutiert. Der Blick ins Ausland zeigt: Einige von Deutschlands Nachbarn gehen deutlich später als hierzulande in Rente – und das nicht erst in Jahrzehnten, sondern schon jetzt.
t-online hat sich eingehend mit den Rentensystemen in ausgewählten Ländern beschäftigt, darunter jene von Italien, Norwegen, den Niederlanden, Schweden, Österreich, Frankreich und der Schweiz. Im Folgenden ziehen wir einen Vergleich zur Höhe der Rente, dem Renteneintrittsalter und der Beitragshöhe.
Hinweis: Wir betrachten in unserer Übersicht lediglich die gesetzlichen Rentensysteme. Darüber hinaus gibt es vielfältige betriebliche und private Vorsorgeangebote. Auch Invaliden- oder Hinterbliebenenrenten lassen wir in der Betrachtung außen vor, es werden nur Altersrenten betrachtet. Bei all dem gilt: Ein direkter Vergleich zwischen den Rentensystemen ist nur bedingt möglich, da sich etwa die gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen bisweilen stark unterscheiden, insbesondere die Lebenshaltungskosten.
Deutschland
Das deutsche Rentensystem basiert auf einem Umlageverfahren. Das heißt: Wer aktuell erwerbstätig ist, zahlt mit seinen Beiträgen zur Rentenversicherung die Rentenzahlungen an die heutigen Senioren. Die Renten der aktuell Erwerbstätigen werden dagegen von den künftigen Arbeitnehmern gezahlt. Das nennt man auch „Generationenvertrag“. Die meisten Selbstständigen zahlen nicht automatisch in die Rentenversicherung ein.
Renteneintrittsalter: In Deutschland hängt die Regelaltersgrenze vom Geburtsjahrgang ab. Wer früher in Rente geht, muss in der Regel mit Abschlägen auf die Rentenzahlungen rechnen. Beim Erreichen des 67. Lebensjahres wird die monatliche Rente allen ausbezahlt, die ab 1964 geboren wurden. Für Arbeitnehmer, die vor dem 1. Januar 1947 geboren wurden, galt noch die Rente mit 65 Jahren. Für alle dazwischen liegenden Jahrgänge gilt eine gestaffelte Regelung. Mehr dazu lesen Sie hier.
Rentenhöhe: Die durchschnittliche Bruttorente in Deutschland liegt derzeit bei 1.835,55 Euro brutto (Stand: 1. Juli 2025). Diese sogenannte Standardrente ist aber nur ein statistischer Wert, bei dem 45 Beitragsjahre und ein durchschnittlicher Verdienst angenommen werden. Zudem gehen von der Bruttorente noch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie Steuern ab. Lesen Sie hier, wann Sie als Rentner Steuern zahlen müssen.
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Rentenbeiträge: Aktuell liegt der sogenannte Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung bei 18,6 Prozent des Bruttolohns. Arbeitnehmer teilen sich diesen Betrag hälftig mit dem Arbeitgeber.
Besonderheiten: Zusätzlich zur gesetzlichen Rente gibt es zwei weitere zum Teil staatlich geförderte Säulen der Altersvorsorge: die betriebliche Vorsorge sowie die private Vorsorge. Allerdings besitzt längst nicht jeder Bürger eine Absicherung aus allen drei Säulen.
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In Österreich zahlen alle Erwerbstätigen über ein Umlagesystem in die Rente ein – auch Selbstständige. In Österreich heißt die Rente Pension.
Renteneintrittsalter: Das Regelpensionsalter liegt in Österreich für Frauen, die zwischen dem 1. Juli und 31. Dezember 1964 geboren sind, bei 61 Jahren und für Männer bei 65 Jahren. Das Pensionsalter für Frauen wird bis 2033 schrittweise an das der Männer angepasst.
Rentenhöhe: Die Durchschnittsrente in Österreich betrug 2024 monatlich 2.321,40 Euro für Männer und 1.594,24 Euro für Frauen. Die Renten sind, anders als derzeit in Deutschland, voll steuerpflichtig.
Rentenbeiträge: Der Beitragssatz zur Rente beträgt in Österreich für Arbeitnehmer 22,8 Prozent, wobei die Arbeitgeber 12,55 Prozent tragen und die Beschäftigten 10,25 Prozent.
Besonderheiten: Beamte werden zwar nicht direkt in die Rentenversicherung einbezogen, ihre Leistungen aus der Versicherung werden jedoch Schritt für Schritt denen von Erwerbstätigen angepasst. In Österreich gibt es für Senioren auch ein Weihnachts- und Urlaubsgeld. Im Grunde wird die Rente also 14 Mal im Jahr statt 12 Mal ausgezahlt.
Niederlande
In den Niederlanden ist der zentrale Baustein des Systems eine gesetzliche Grundrente, auch AOW-Rente genannt. Die ist jedoch deutlich höher als die deutsche Grundrente, die nur als Aufschlag auf kleine Renten gezahlt wird. Anspruch auf die volle Grundrente hat, wer mindestens 50 Jahre lang in den Niederlanden gelebt hat und dort gemeldet war. Für jedes Jahr, das davon abgeht, werden zwei Prozent abgezogen.
Renteneintrittsalter: Das Rentenalter für die Grundrente liegt seit 2024 bei 67 Jahren. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung wird aktuell ein Anstieg auf 67 Jahre und drei Monate ab 2028 prognostiziert.
Rentenhöhe: Die AOW-Rente betrug zuletzt 1.569,75 Euro brutto pro Monat für Alleinstehende. Nach dem Abzug von Steuern lag sie noch bei 1.486,24 Euro (Stand: 2024).
