Filmfestival Venedig
„Der weibliche Körper als Schlachtfeld“
12.09.2026 – 22:39 UhrLesedauer: 2 Min.
Beim 83. Filmfestival in Venedig sind die Preise vergeben. Den begehrtesten Löwen trägt eine Frau nach Hause – und ihre Dankesrede richtet den Blick auf ein Branchenproblem.
Die dänisch-ägyptische Regisseurin May el-Toukhy hat beim 83. Filmfestival in Venedig den Goldenen Löwen gewonnen. Ihr Film „Woman Unknown“ setzte sich gegen die übrigen Wettbewerbsbeiträge durch und sicherte ihr den Hauptpreis des Festivals am Lido, wie AFP berichtet.
„Woman Unknown“ spielt im Dänemark kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine Hausangestellte steht kurz vor der Hochzeit mit dem wohlhabenden Witwer, für den sie arbeitet. Doch eine geheime Affäre mit einem deutschen Soldaten aus der Kriegszeit droht ihre Pläne zu durchkreuzen.
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Bei der Preisverleihung erklärte el-Toukhy: „In ‚Woman Unknown‘ geht es um den weiblichen Körper als Schlachtfeld und als Thema von öffentlichem Interesse. Gleichzeitig erzählt der Film die Geschichte unsichtbarer, ignorierter und stimmloser Frauen.“ Die Regisseurin bedankte sich außerdem bei Jury-Präsidentin Maggie Gyllenhaal dafür, dass sie „ihre Stimme erhoben und die mangelnde Chancengleichheit für Regisseurinnen in unserer Branche“ thematisiert habe.
Gyllenhaal hatte den geringen Frauenanteil zu Beginn des Festivals als „systemisches Problem“ bezeichnet. Für Frauen sei es „viel schwieriger“, eine Finanzierung für ihre Filme zu bekommen, sagte sie. „Woman Unknown“ war zunächst der einzige Film einer Regisseurin unter den 20 Wettbewerbsbeiträgen.
John Malkovich bester Schauspieler
Die Hauptdarstellerin des Films, Mathilde Arcel, wurde als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Den Preis für den besten Schauspieler erhielt John Malkovich. Der 72-Jährige spielt in der schwarzen Komödie „Wild Horse Nine“ einen zynischen CIA-Agenten, der 1973 gemeinsam mit einem Kollegen nach Chile reist, kurz bevor das Militär dort die Macht übernimmt.
Den Silbernen Löwen gewann der südkoreanische Regisseur Lee Chang Dong für „Possible Love“, eine Geschichte über zwei Ehepaare aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Der Preis für die beste Regie ging an den in Russland geborenen Ilja Chrschanowski für sein experimentelles Filmprojekt „DAU“, das vom Medienboard Berlin-Brandenburg gefördert und von der Berliner Produktionsfirma Coproduction Office produziert wurde.
Spezialpreis für Gaza-Dokumentation
Den Spezialpreis der Jury erhielt die Gaza-Dokumentation „Naza“ der israelischen Filmemacherin Rachel Szor und ihres Kollegen Yuval Abraham. In dem Film berichten israelische Militärvertreter und Geheimdienstler anonym darüber, wie die israelische Armee im Gazastreifen palästinensische Zivilisten tötete. Bei seiner Premiere in Venedig erhielt „Naza“ rund 25 Minuten stehende Ovationen. Abraham und Szor waren zuvor auch an dem Dokumentarfilm „No Other Land“ über den Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis im Westjordanland beteiligt, der 2025 mit dem Oscar als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde.
Zu Beginn und zur Halbzeit des Festivals waren der US-Schauspieler und Filmemacher George Clooney sowie die US-Schauspielerin Ellen Burstyn mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk geehrt worden. Im Vorjahr hatte US-Regisseur Jim Jarmusch den Goldenen Löwen für seinen Film „Father Mother Sister Brother“ erhalten.