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Region Hannover: Haben wir ein Sicherheitsproblem in der Region, Herr Krach?

wochentlich.deBy wochentlich.de1 April 2024Keine Kommentare4 Mins Read
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Region Hannover: Haben wir ein Sicherheitsproblem in der Region, Herr Krach?
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Messerangriffe, häusliche Gewalt, Wohnungseinbrüche – die Zahl der Straftaten in der Region Hannover ist hoch. Im Interview spricht Regionspräsident Steffen Krach über die angespannte Situation.

In Wunstorf tötete ein 14-Jähriger im vergangenen Jahr einen Gleichaltrigen. In der Landeshauptstadt haben Lehrer zuletzt mit Brandbriefen auf die vielen Gewalttaten an Schulen aufmerksam gemacht. Der Hauptbahnhof Hannover gehört zu einem der gefährlichsten in Deutschland. Und die Kriminalstatistik zeigt: Die Zahl der Straftaten in der Region Hannover ist 2023 weiter gestiegen.

Warum ist Kriminalität in der Region an der Tagesordnung und was kann dagegen getan werden? t-online hat mit Regionspräsident Steffen Krach (SPD) über die Thematik gesprochen.

t-online: Herr Krach, gibt es irgendwelche Orte in der Region Hannover, an denen Sie sich nicht sicher fühlen?

Steffen Krach: Ich gehe zum Beispiel nicht gerne durch diesen Tunnel am Raschplatz in Hannover. Den verstehe ich städteplanerisch nicht. Ein schmaler Tunnel mit minimaler Beleuchtung, in dem oft ein paar Menschen sitzen und Drogen konsumieren. Da fühlt man sich unwohl und das müssen wir anpacken.

Kürzlich ist die Kriminalstatistik veröffentlicht worden, die zeigt: Es gibt immer mehr Straftaten in der Region. Haben wir hier gerade ein Sicherheitsproblem?

Wir müssen die Situation auf jeden Fall beobachten. Die Zahlen lassen nicht zu, dass wir uns zurücklehnen. Die Region Hannover mit ihrer Landeshauptstadt und den 20 Umlandkommunen ist keine Insel der Glückseligkeit und auch nicht völlig sicher. Es gibt Orte in der Region, die wir besonders im Blick haben und wo wir gegensteuern müssen.

Welche sind das zum Beispiel?

Dazu gehören in Hannover etwa der Hauptbahnhof, das Steintor und der Raschplatz. Für diese Orte brauchen wir Konzepte. Ebenso gibt es Bereiche im Umland wie etwa in Laatzen, wo an Silvester ehrenamtliche Feuerwehrleute angegriffen worden sind. Oder in Garbsen, wo es vergangenes Jahr zu Überfällen kam. Es ist klar: Wir müssen an einigen Orten die Sicherheit deutlich erhöhen.

Steffen Krach (Quelle: Anne Hufnagl)

Zur Person

Steffen Krach, Jahrgang 1979, ist seit dem 1. November 2021 Regionspräsident der Region Hannover. Seine Aufgaben sind vergleichbar mit denen eines Landrats. Zuvor war der gebürtige Hannoveraner Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung in der Berliner Senatskanzlei. Krach gehört der SPD an. Er ist verheiratet und hat drei Söhne.

Wie wollen Sie das schaffen?

Meistens sind Orte besonders gefährdet, die in den Abendstunden oder frühmorgens wenig belebt und schlecht beleuchtet sind. In Garbsen gibt es gerade den Versuch mit einer intelligenten Beleuchtung, die anspringt, wenn Bewegung da ist. Solche Maßnahmen können helfen. Alternativ kann man durch zusätzliches Personal vor Ort die Sicherheit erhöhen. Aber vor allem ist es wichtig, an gefährdeten Orten einen Mix aus Gastronomie, Kultur und Clubs zu haben, damit es dort belebter ist. Das ist natürlich eine Frage der Innenstadtentwicklung, aber diese Frage sollten wir angehen.

So wie es im vergangenen Jahr am Raschplatz durch Sportstätten und Events versucht wurde?

Ja, aber das muss natürlich nachhaltig sein. Wir brauchen Konzepte, die auf Dauer funktionieren und nicht nur für ein paar Monate ausgelegt sind. Ich fand das Projekt gut und will es gar nicht kritisieren. Aber die Sicherheit erhöht man nur, wenn man stetig dranbleibt und langfristige Konzepte entwickelt, die niemanden ausschließen.

Oft wird von einer Verrohung der Gesellschaft gesprochen, Kriminalität und Gewalt sind vielleicht nur der Gipfel davon. Würden Sie sagen, dass die Region Hannover immer mehr verroht?

Ich will noch nicht von einer Verrohung sprechen. Aber es stimmt: Wir haben eine angespannte Situation. Das spüren etwa die Kolleginnen und Kollegen in der Regionsverwaltung, die in Bereichen mit Publikumsverkehr arbeiten: Schnell sind die Kunden deutlich verärgert, ihre Geduld ist nicht besonders ausgeprägt und das bringen sie unseren Mitarbeitenden gegenüber zum Ausdruck.

Was glauben Sie, woran das liegt?

Ich denke, es hängt mit der allgemeinen Situation zusammen. Viele Menschen spüren eine gewisse Unzufriedenheit und haben Angst vor der Zukunft. Das ist nach den vergangenen Jahren nachvollziehbar. Zunächst hatten wir dreieinhalb Jahre Corona-Pandemie. Dann ging es weiter mit dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine – ein nicht allzu weit von uns entfernter Krieg, dessen Folgen wir auch hier spüren. Hinzu kam die zunehmende Inflation, die Angst vor steigenden Energiekosten und Fragen wie: Kann ich mir morgen meine Miete noch leisten? Kann ich meinen Kindern eine vernünftige Ernährung organisieren? Ich kann diese Sorgen nachvollziehen und möchte gemeinsam mit den Mitarbeitenden der Regionsverwaltung dafür sorgen, dass es sich hier weiterhin gut leben lässt.

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