Beunruhigende Entwicklung
Hauterreger verbreitet sich jetzt auch von Mensch zu Mensch
08.09.2026 – 16:17 UhrLesedauer: 3 Min.
Ein bislang vor allem bei Tieren vorkommender Hauterreger namens Dermatophilus congolensis infiziert zunehmend Menschen in Europa. Was steckt dahinter?
Die Meldungen von menschlichen Infektionen mit Dermatophilus congolensis nehmen zu: Nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (European Centre for Disease Prevention and Control, ECDC) gab es bis zum 20. August 2026 insgesamt 123 gemeldete Fälle in zehn europäischen Ländern – darunter auch Deutschland. Die Infektionen verliefen bisher meist mild.
Was ist Dermatophilus congolensis?
Dermatophilus congolensis ist ein Bakterium, das hauptsächlich bei Wiederkäuern und Pferden vorkommt, aber auch andere Haus- und Wildtiere befällt. Dabei kann es eine Hautinfektion auslösen: ein sogenanntes Regenekzem (Fachbegriff: Dermatophilose), auch „Regenfäule“ genannt. Die Tierkrankheit tritt weltweit auf, ist aber in Regionen mit häufigem Regen und hoher Luftfeuchtigkeit stärker verbreitet. Sie ist vom Tier auf den Menschen übertragbar und gilt daher als Zoonose.
Zur Übertragung der Hautinfektion vom Tier auf den Menschen kommt es nur selten. Die aktuelle Häufung der Fälle legt daher nahe, dass sich Dermatophilus congolensis auch von Mensch zu Mensch verbreiten kann. Laut ECDC sprechen die bisherigen Beobachtungen und genetische Analysen von Erregerproben für eine Ausbreitung über engen Hautkontakt.
Welche Symptome zeigen infizierte Menschen?
Die Infektion mit Dermatophilus congolensis verursacht typischerweise pockenartige Hautveränderungen, Juckreiz und krustige oder schuppenartige Beläge auf der Haut. Meist verschwinden die Symptome von allein wieder. Die zuletzt gemeldeten Infektionen machten sich an verschiedenen Hautbereichen bemerkbar, darunter Genitalien, Leiste, Oberschenkel, Gesicht, Arme, Rücken und Brust. Sie verliefen überwiegend örtlich begrenzt und mild. Schwere Komplikationen traten nicht auf.
Wer ist am ehesten betroffen?
Bislang infizierten sich überwiegend homosexuelle, bisexuelle und andere Männer, die Sex mit Männern hatten. Die Ausbreitung von Mensch zu Mensch beschränkt sich allerdings nicht ausschließlich auf sexuelle Kontakte. So beschreibt das ECDC auch Infektionen bei Menschen, die enge Kontaktsportarten wie etwa Kampfsport ausüben. Ein Teil dieser Fälle trat im Zusammenhang mit Reisen nach Südostasien auf.
In Deutschland haben sich – Stand: 17. Juni 2026 – 17 Personen mit Dermatophilus congolensis infiziert. Bereits Ende Mai berichtete das Robert Koch-Institut (RKI) von insgesamt 16 gemeldeten Fällen im Zeitraum zwischen Dezember 2025 und April 2026. Alle Betroffenen waren männlich und im Durchschnitt 45 Jahre alt. 14 von ihnen wohnten in Berlin, zwei in Brandenburg.
Wie könnte die Übertragung erfolgen?
Dermatophilus congolensis ist durch direkten Haut-zu-Haut-Kontakt von Mensch zu Mensch übertragbar – wie etwa bei sexuellen Aktivitäten oder bei Kontaktsportarten. Nicht ausgeschlossen ist zudem eine indirekte Übertragung über Oberflächen oder gemeinsam genutzte Gegenstände, an denen die Erreger haften – besonders in feuchtwarmen Umgebungen wie Saunen oder Sportstätten.
Untersuchungen des Erbguts von Dermatophilus congolensis zeigen, dass die Erreger mehrerer Fälle aus verschiedenen Ländern genetisch einander ähneln oder sogar nicht zu unterscheiden sind. Das spricht dafür, dass die Fälle miteinander in Verbindung stehen könnten.
Wie hoch ist das Infektionsrisiko?
Für die Allgemeinbevölkerung schätzt das ECDC das Risiko, sich mit Dermatophilus congolensis zu infizieren, weiterhin als sehr gering ein. Auch für Männer, die Sex mit Männern haben, bleibt das Gesamtrisiko selbst bei mehreren Sexualpartnern niedrig.