Verkehr

Radweg auf der Kantstraße wird ab September zurückgebaut

23.07.2026 – 05:39 UhrLesedauer: 2 Min.

Der Radweg auf der Kantstraße (Archivfoto). (Quelle: Lutz Deckwerth/dpa/dpa-bilder)

Der Streit um den Radweg auf der Kantstraße spitzt sich zu: Die Bagger sollen im September rollen. Doch Gegner warnen vor Millionen an Steuergeld, die sinnlos verpuffen.

Berlin macht Ernst mit dem Ende des Radwegs auf der Charlottenburger Kantstraße: Wie der „Tagesspiegel“ berichtet, sucht die landeseigene Radweg-Gesellschaft Infravelo per Ausschreibung eine Baufirma, die den während Corona angelegten Streifen wieder entfernt. Bewerbungen sind demnach bis zum 4. August möglich, Baubeginn soll der 1. September sein. Damit rollen die Bagger noch vor der Abgeordnetenhauswahl Ende September an. Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) hatte das rasche Aus zuvor angekündigt.

An die Stelle des Radwegs soll künftig eine Busspur treten, die auch Radfahrende mitnutzen dürfen; geparkt wird dann am rechten Fahrbahnrand. Weil der Asphalt streckenweise saniert werden muss, wird in der Ausschreibung mit rund einem Jahr Bauzeit gerechnet. Zustimmung kommt laut „Tagesspiegel“ von der BVG und von Fahrgastvertretern, die sich über die dann freie Fahrt für die Busse freuen.

Deutsche Umwelthilfe kündigt Klage an

Auf Widerstand stößt das Vorhaben bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die vor Gericht ziehen will. „Sobald der Radweg entfernt wird, werden wir Klage am Verwaltungsgericht Berlin einreichen“, sagte DUH-Abteilungsleiter Robin Kulpa dem „Tagesspiegel“. Früher gehe das rechtlich nicht: Erst wenn die verkehrsrechtliche Anordnung tatsächlich umgesetzt sei, könne man dagegen vorgehen. „Andernfalls würden wir Verkehrssenatorin Bonde gerne davor bewahren, Millionen Euro an Steuergeldern aus dem Fenster zu werfen – nur um wenige Wochen später von einem Verwaltungsgericht zurückgepfiffen zu werden.“

Für die Umwelthilfe ist der Rückbau ein „rechtswidriges Wahlkampfmanöver der Berliner CDU“. Der Verband beruft sich auf ein eigenes Rechtsgutachten aus dem Jahr 2025: Angesichts der vielen Radfahrenden – ihre Zahl hat sich seit 2020 nach DUH-Angaben verdreifacht – sei ein Rückbau unzulässig, die vorgesehene Bus- und Radspur zudem zu eng bemessen. Als eigentlichen Anlass für die damalige Neuordnung der Straße nennt die DUH einen tödlichen Verkehrsunfall im Jahr 2020.

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Die Verwaltung pocht dagegen auf die Sicherheit: Verkehrsstaatssekretär Arne Herz (CDU) verwies gegenüber dem RBB darauf, dass der Bezirk selbst festgestellt habe, dass der Rettungsweg an den Wohnhäusern für die Feuerwehr aktuell nicht gewährleistet sei: „Deswegen sollten wir jetzt endlich mal handeln.“ Den Gegenvorschlag, den Mittelstreifen für Löschfahrzeuge tragfähig zu machen, hält er für nicht umsetzbar. Zusätzlich habe sich der Verkehr in Charlottenburg verändert, seit für die Bauarbeiten an der A100 die Ringbahnbrücke abgerissen wurde. Die Einwände der Umwelthilfe wies Herz zurück.

Ob die Feuerwehr überhaupt ein Problem hätte, ist allerdings strittig. Nach Akteneinsicht verweisen die Grünen auf Unterlagen, in denen Verkehrsplaner den Einwand entkräftet hätten: Die Drehleitern würden ihre Stützen ohnehin nur zur Gebäudeseite ausklappen, in Richtung Mittelstreifen lasse sich die Leiter physikalisch gar nicht neigen. Zwischen Senatsverwaltung und Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf wird laut RBB weiter verhandelt.

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