Bayern muss abseits der Aufarbeitung solcher Fehler hinterfragen, inwieweit der aggressive Ansatz der totalen Manndeckung funktionieren kann und vor allem nicht die Schwächen mancher Spieler offenlegt. Gegen Kvaratskhelia gibt es besonders in großen Spielen, in denen der Georgier regelmäßig aufdreht, kaum eine andere Chance, als immer schlecht auszusehen. Stanišić teilweise völlig allein Kvaratskhelia verteidigen zu lassen, wirkt nicht unbedingt klug.

Es wird jedoch wohl vor dem Rückspiel keine grundsätzlichen defensiven Änderungen von Kompany geben. „Es gibt nur zwei Wege: Entweder man geht voll drauf oder man zieht sich komplett zurück“, sagte er bei Amazon Prime UK. Jedoch fallen gerade die Außenverteidiger qualitativ etwas ab, zumindest defensiv. Offensiv sind Stanišić, Alphonso Davies und Konrad Laimer teilweise sehr wertvoll, aber wie man gestern Abend in Paris sehen konnte, ist offensive Qualität eben nicht alles.

Bayerns Sportvorstand Max Eberl, der selbst Außenverteidiger war, sagte auf t-online-Nachfrage: „Schwieriges Spiel für beide (Außenverteidiger, Anm. d. Red.), weil natürlich viel Mann gegen Mann gespielt wird. Aber das ist das, was wir im Grunde haben wollen.“ Eberl ergänzte aber auch: „Was dann nicht passieren sollte, ist, dass die Gegner zu häufig Eins-gegen-Eins frontal auf die zulaufen. Da musst du vorher dran sein, das musst du vorher besser lösen.“

Das Stellungsspiel der Außenverteidiger bei Ballannahmen kann besser sein, sodass sie bei Ballannahmen von Kvaratskhelia und Co. enger an den Gegnern dran sind, damit sich diese nicht erst in Richtung Tor drehen können. Aber bei dem generellen Tempo, das auch im Rückspiel zu erwarten ist, ist es fast unmöglich, über 90 oder 120 Minuten stets eng am Gegenspieler zu sein. Im Übrigen stand auch PSG hier und da recht luftig, beispielsweise beim Treffer von Díaz zum 4:5, als er im Strafraum nur noch Marquinhos vor sich hatte.

Der Knackpunkt aus Bayern-Sicht ist: Um Stanišić, Davies oder auch Laimer auf den Außenbahnen zu helfen, müsste Kompany einen Mittelfeldspieler mit hinzuziehen, um eine gewisse Absicherung zu bieten. Aber das würde das totale Manndeckungsschema der Bayern zerstören und ein derart hohes Pressing unmöglich machen. Da aber Kompany weiterhin aggressiv gegen den Ball arbeiten lassen möchte, ergibt sich wohl keine Möglichkeit, die Außenverteidiger oder generell die Viererkette der Bayern dezidiert zu unterstützen. Ein Spektakel im Rückspiel ist programmiert, ein Weiterkommen des deutschen Meisters jedoch nicht.

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