Foto mit Rammstein-Sänger als Auslöser?
Protest gegen Kunstausstellung in Dresden
Aktualisiert am 27.05.2026 – 18:16 UhrLesedauer: 3 Min.
An der Hochschule für Bildende Künste eskaliert ein Streit über den Dresdner Maler und Galeristen Holger John. Für die Studenten geht es um weit mehr als ein Foto.
Studenten der Dresdner Kunsthochschule HfBK protestieren gegen den Maler und Galeristen Holger John. Er betreibt eine Galerie im Barockviertel und fördert seit Jahren Künstler der Hochschule.
Aktuell stellt der Dresdner Künstler im Oktogon, der sogenannten „Zitronenpresse“ aus. An dieser Ausstellung in der Hochschule entlädt sich massiver Protest. In den vergangenen Tagen wurde ein Banner der Ausstellung zerschnitten, das Gittertor vor dem Gebäude mit Fahrradschlössern verriegelt und die Schlüssellöcher mit Sekundenkleber zugeklebt.

Zudem verschickten Studenten einen offenen Brief an Rektor Oliver Kossack. Darin erheben sie schwere Vorwürfe: „Holger John hat in der Studierendenschaft und unter Alumni den Ruf, sich auf Ausstellungseröffnungen Frauen gegenüber übergriffig zu verhalten.“
Der Protest zeichnete sich bereits bei der Vernissage am 30. April ab: Dort wurden Fotos ausgelegt, die John gemeinsam mit Rammstein-Sänger Till Lindemann zeigen. Die Aufnahmen stammen von einer Ausstellungseröffnung aus dem Jahr 2013. Damals stellte Lindemann in der Galerie Holger John aus.
Den Rammstein-Bezug greifen Studenten auch in ihrem offenen Brief auf: Sie kritisieren, dass John weiterhin auf Instagram Rammstein-Merchandise trägt und seine Posts mit Musik der Band unterlegt. Im Gespräch mit t-online stellt John allerdings klar: Die beiden hätten seit Jahren keinen Kontakt mehr gehabt.
2023 warfen mehrere Frauen dem Rammstein-Sänger sexuelle Übergriffe vor. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren gegen Till Lindemann eingestellt. Es konnten keine Belege für ein strafbares Verhalten gefunden werden. Damit handelt es sich bei dem Sänger der Band Rammstein weder offiziell um einen Tatverdächtigen noch um einen Beschuldigten. Ein Beweis für seine Unschuld ist das nicht, wie die offizielle Begründung zeigt.

Doch im offenen Brief machen die Studenten deutlich: Ihre Kritik gehe weit über den Kontakt zu Lindemann hinaus. Sie fragen die Hochschulleitung: „Können Sie verstehen, dass die Ausstellung und Holger Johns persönliche Präsenz vor allem bei weiblichen Studierenden Unbehagen auslösen?“
Holger John wehrt sich gegen Vorwürfe: „Das ist Rufmord“
John sagt, der Vorwurf der Übergriffigkeit habe ihn kalt erwischt. Als Reaktion auf den offenen Brief habe der Rektor zwar ein Gespräch mit ihm geführt – den Brief selbst habe er jedoch nicht vorgelegt bekommen. „Ich weiß nicht, was sie meinen“, so John. Er müsse darüber nachdenken, sei sich aber keines Übergriffs bewusst. „Wenn das mein Ruf ist, dann ist das Rufmord.“
