Koppelung an Lebenserwartung

Rente mit 70? Experten warnen vor einem Denkfehler


30.05.2026 – 07:08 UhrLesedauer: 2 Min.

Rentnerinnen auf einer Bank am Strand: Nur weil das Eintrittsalter auf dem Papier steigt, heißt das nicht, dass der Körper das auch mitmacht.

Rentnerinnen auf einer Bank am Strand: Nur weil das Eintrittsalter auf dem Papier steigt, heißt das nicht, dass der Körper das auch mitmacht. (Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa)

Wer länger lebt, soll länger arbeiten? Forscher der Rentenversicherung warnen: Eine automatische Anhebung des Rentenalters hätte Tücken.

Der Medienbericht hatte viele aufgeschreckt: Angeblich wolle die Rentenkommission der Bundesregierung empfehlen, das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre anzuheben, schrieb die „Bild“-Zeitung in der vergangenen Woche. Mitglieder des Gremiums dementierten zwar umgehend, doch komplett unplausibel ist die Zahl nicht. Dänemark beispielsweise hat die Rente mit 70 ab dem Jahr 2040 bereits beschlossen. Es ist die logische Folge einer Entscheidung, die die Dänen bereits 2006 getroffen haben: das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln.

Die Idee dahinter klingt nachvollziehbar: Wenn Menschen länger leben, sollen sie auch länger arbeiten. Doch Forscher der Deutschen Rentenversicherung warnen nun in einer Analyse im Fachjournal „Wirtschaftsdienst“ davor, diesen Ansatz als einfache Lösung für die Probleme der gesetzlichen Rente zu betrachten. Ihrer Ansicht nach wird häufig übersehen, dass eine Anhebung des Rentenalters allein noch keine finanzielle Entlastung garantiert.

Höheres Rentenalter löst Probleme nicht automatisch

Damit die Rechnung aufgehe, müssten ältere Beschäftigte tatsächlich länger arbeiten. Geschehe das nicht und wechselten Betroffene stattdessen häufiger in Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Erwerbsminderung, verlagerten sich die Kosten lediglich auf andere Bereiche des Sozialstaats.

Die Autoren verweisen darauf, dass internationale Erfahrungen sehr unterschiedlich ausfallen. Entscheidend sei nicht allein die gesetzliche Altersgrenze, sondern ob Menschen überhaupt die Möglichkeit haben, länger im Erwerbsleben zu bleiben.

Nicht alle haben eine höhere Lebenserwartung

Besonders kritisch sehen die Wissenschaftler die sozialen Unterschiede bei der Lebenserwartung. Zahlreiche Studien zeigten, dass Menschen mit höherem Einkommen im Durchschnitt deutlich länger leben als Menschen mit niedrigerem Einkommen.

Für Deutschland verweisen die Autoren auf Untersuchungen, wonach die Lebenserwartung von Männern in den höchsten Einkommensgruppen im Alter von 65 Jahren durchschnittlich rund 6,6 Jahre über jener der niedrigsten Einkommensgruppen liegt. Bei Frauen beträgt der Unterschied etwa 3,7 Jahre.

  • Mit 65, 75 und 85 Jahren: So lange leben Sie statistisch gesehen noch

Werde das Rentenalter pauschal für alle erhöht, treffe das daher nicht jede Bevölkerungsgruppe gleichermaßen. Menschen mit geringerer Lebenserwartung verbrächten statistisch gesehen schon heute weniger Jahre im Ruhestand. Eine weitere Anhebung des Rentenalters könnte diesen Effekt verstärken, so die Autoren.

Begleitende Maßnahmen nötig

Damit ein höheres Rentenalter gesellschaftlich akzeptiert werden kann, seien umfangreiche Begleitmaßnahmen notwendig. Dazu zählen unter anderem eine bessere Gesundheitsvorsorge, stärkere Rehabilitation, altersgerechte Arbeitsplätze, flexible Arbeitszeitmodelle und lebenslange Weiterbildung. Fehlten solche Voraussetzungen, drohten längere Phasen gesundheitlicher Einschränkungen oder ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben.

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