„An der Nordseeküste, am arischen Strand“

Weihnachtsmarktbesucher schockiert – Polizei ermittelt


16.12.2025 – 12:53 UhrLesedauer: 2 Min.

Polizisten auf einem Weihnachtsmarkt (Symbolbild): Was aus der Beschallungsanlage tönte, löste in Niedersachsen Fassungslosigkeit aus. (Quelle: IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Hahne/imago-images-bilder)

Besucher genießen die friedliche Stimmung auf einem kleinen Weihnachtsmarkt in Niedersachsen. Dann tönen plötzlich eindeutige Lieder aus dem Lautsprecher – und lösen einen Skandal aus.

Auf einem Weihnachtsmarkt im niedersächsischen Otterndorf (Landkreis Cuxhaven) sind mutmaßlich rechtsextreme, volksverhetzende Lieder abgespielt worden. Die Polizei hat Ermittlungen eingeleitet, wie ein Sprecher t-online bestätigte. Zuvor hatten mehrere Medien über den Vorfall berichtet.

Dem Sprecher zufolge bemerkten am Freitagabend Besucher des Marktes, wie aus der offiziellen Beschallungsanlage unter anderem Musik der als Kriminellen Vereinigung verurteilten Band „Landser“ abgespielt wurde. Auch Lieder einer weiteren rechtsextremen, antisemitischen Band sollen abgespielt worden sein. Den Namen der Band wollte der Sprecher nicht nennen, „weil schon der Name fremdenfeindliche Elemente enthält“.

Unter anderem war auf dem Weihnachtsmarkt eine umgedichtete Zeile des bekannten Liedes „An der Nordseeküste“ zu hören: „An der Nordseeküste, am arischen Strand“, wie der Sprecher bestätigte.

Besucher des Marktes in der 7.500-Einwohner-Stadt reagierten schockiert: Der „Nordsee-Zeitung“ sagte eine Frau, die anonym bleiben will: „Wir haben uns super unwohl gefühlt.“ Kurz darauf seien zwei junge Männer auf sie zugekommen. „Sie fragten, ob die geile Musik von uns kommen würde“, erinnerte sich die Besucherin. Das sei „schöne, traditionelle Volksmusik“, die gut zu Weihnachten passen würde, habe der Mann gesagt.

Die Beschallungsanlage war laut bisherigen Ermittlungen der Polizei von einem externen Dienstleister gestellt worden. Ein USB-Stick, auf dem die Musik gespeichert war, wurde sichergestellt. Er soll jetzt untersucht werden. Unklar ist, wer genau Zugriff auf den Stick hatte und somit die Auswahl der Musik beeinflussen konnte. Außerdem sollen weitere Zeugen vernommen werden. Laut dem Sprecher haben sich Hinweise darauf ergeben, dass auch am Samstag und Sonntag volksverhetzende Lieder abgespielt worden sein könnten.

Otterndorfs Bürgermeister Claus Johanßen zeigte sich erschüttert. Der „Nordsee-Zeitung“ sagte er: „Ich finde das entsetzlich.“ Der USB-Stick könne „eigentlich nur gehackt worden sein“, so seine Vermutung.

Auch die Stadtmarketinggesellschaft Otterndorf, die den Weihnachtsmarkt organisiert, nahm Stellung: „Wir distanzieren uns ausdrücklich von jeglicher Form von Extremismus. Die Wiedergabe wurde umgehend unterbunden“, hieß es auf der Webseite des Weihnachtsmarkts.

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