Aus Sicht des Verfassungsexperten und Royal-Kenners Craig Prescott von der Londoner Universität Royal Holloway ist die Reise in die USA „zweifellos ein schwieriger Staatsbesuch für den König“. „Hier gilt es einen diplomatischen Spagat zu meistern“, sagte Prescott der Deutschen Presse-Agentur. Das liege allerdings nicht nur an der derzeit angeknacksten Beziehung, sondern auch an der Unberechenbarkeit des US-Präsidenten.
Normalerweise seien Staatsbesuche wie diese Routine für den Monarchen, jede Sekunde werde bis ins kleinste Detail geplant – auch, um etwaige Peinlichkeiten oder Unvorhersehbares auszuschließen. Mit Trump sei das allerdings nur bedingt möglich, sagt Prescott, der Besuch deswegen „einzigartig“. Eine Stichelei hier, ein Witz da – und rasch sei der König in einer heiklen Lage.
Material für mögliche Konflikte gibt es jedenfalls zur Genüge. Wenige Tage vor dem Staatsbesuch kursierte einem unbestätigten Medienbericht zufolge im Pentagon eine Mitteilung, in der erwogen werde, die bisher probritische Haltung der USA zum Anspruch Argentiniens auf die Falklandinseln im Südatlantik zu überdenken. Angesprochen auf die Berichte machte ein britischer Regierungssprecher klar, die Souveränität liege beim Vereinigten Königreich.
Darüber hinaus sorgte Trump am Donnerstag mit einer erneuten Zolldrohung für Aufsehen. Sollte Großbritannien seine Digitalsteuer für US-amerikanische Techunternehmen nicht aufheben, könnten die USA „hohe Zölle gegen Großbritannien verhängen, also sollten sie besser vorsichtig sein“, drohte Trump.
Und dann wäre da noch der andauernde Streit um den Iran-Krieg und Trumps immer wieder geäußerte Fantasie, Kanada zum „51. Bundesstaat“ machen zu wollen. Charles ist auch König von Kanada und damit das offizielle Staatsoberhaupt des Landes, zumindest hinter den Kulissen dürften dem Monarchen solche Aussagen daher kaum gefallen. Erst im vergangenen Jahr bekräftigte er bei einem Besuch in Ottawa die Souveränität Kanadas, sagt Prescott.
„Wirklich interessant ist, dass nach dieser Rede des Königs in Ottawa diese Rhetorik vom 51. Bundesstaat offenbar abgeklungen ist und derzeit weniger im Fokus steht“, so der Experte. Gelingt dem König eine diplomatische Besänftigung also mitunter auch bei anderen Themen?
