Umweltbelastung

Verzicht auf Pfand für Getränkedosen wohl rechtswidrig


21.05.2026 – 13:14 UhrLesedauer: 2 Min.

Eine weggeworfene Getränkedose (Symbolbild): Der Pfandtrick im Grenzhandel läuft seit 20 Jahren. (Quelle: imago)

Jahrelang konnten viele Dänen in Deutschland Getränkedosen pfandfrei kaufen. Nun hat ein Gericht die Praxis für rechtswidrig erklärt.

20 Jahre lang konnten Skandinavier in deutschen Grenzshops pfandfreie Getränkedosen kaufen. Doch das ist laut dem Verwaltungsgericht Schleswig nicht mehr erlaubt. Nach Auffassung der Richter verstößt die bisherige Praxis gegen das deutsche Verpackungsgesetz (Az. 6 A 74/21).

Die Richter gaben damit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) recht, die gegen den Landkreis Schleswig-Flensburg geklagt hatte. In den Grenzshops konnten dänische Kunden bislang eine Erklärung unterschreiben, dass sie die Getränke erst außerhalb Deutschlands konsumieren. Dadurch entfiel das Pfand.

Erklärung reicht nicht aus

Nach Auffassung des Gerichts reicht diese Erklärung jedoch nicht aus. Die Getränke würden weiterhin an Endverbraucher verkauft. Zudem seien die Angaben praktisch nicht kontrollierbar. Eine Ausnahme von der Pfandpflicht greife nur beim unmittelbaren kommerziellen Export von Einweg-Getränkeverpackungen, heißt es in dem Urteil.

Der Landkreis müsse nun gegen die bisherige Praxis vorgehen, die Pfandpflicht durchsetzen und den Verkauf pfandfreier Dosen unterbinden, heißt es. Allerdings ist das Urteil bisher nicht rechtskräftig. Innerhalb eines Monats kann Berufung beim Oberverwaltungsgericht eingelegt werden.

Getränkedosen werden nicht recycelt

Die Deutsche Umwelthilfe begrüßte die Entscheidung. DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz bezeichnete das Urteil als „bahnbrechend“. Es erkläre eine jahrzehntelange und umweltbelastende Verkaufspraxis für ordnungswidrig.

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Nach Angaben der DUH werden jährlich rund 650 Millionen Getränkedosen in deutschen Grenzshops an skandinavische Kunden verkauft. Viele davon würden nicht recycelt, sondern landeten in der Umwelt oder im Hausmüll.

Hintergrund

Der Grenzhandel gilt seit Jahren als wichtiger Wirtschaftsfaktor in Schleswig-Holstein. Nach Branchenangaben werden dort jährlich rund 1,2 Milliarden Euro umgesetzt. Mehr als 3.000 Menschen arbeiten in den Grenzshops. Viele dänische Kunden kaufen dort Bier und Softdrinks, weil Alkohol in Deutschland günstiger ist und auch für andere Getränke bislang kein Pfand gezahlt werden musste.

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Grenzshops nicht das einzige Problem

Die dänischen Grenzshops sind jedoch nicht der einzige Ort, an dem die Pfandpflicht umgangen wird. Zahlreiche Imbisse oder Einzelhändler bieten ebenfalls pfandfreie Getränkedosen zum Verkauf an. Allerdings für Personen, die diese auch innerhalb Deutschlands konsumieren. Wenn diese anschließend nicht zurück in den Wertstoffkreislauf, sondern in den Restmüll wandern, gehen auch diese wertvollen Materialien verloren.

Auch diese Praktiken sind der DUH bekannt. Sie erklärt, dass es sich hierbei um organisierte Rechtsverstöße gegen das Umweltgesetz handele.

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