Pläne des Fifa-Chefs

Davon sollte selbst Infantino überrascht sein


Aktualisiert am 29.07.2026 – 16:27 UhrLesedauer: 4 Min.

Gianni Infantino: Der Fifa-Präsident erzürnt vor allem die Öffentlichkeit in Europa.

Gianni Infantino: Der Fifa-Präsident erzürnt vor allem die Öffentlichkeit in Europa. (Quelle: IMAGO/JOERAN STEINSIEK)

Gianni Infantino plant den Verkauf von WM-Anteilen an private Investoren. In Europa ist der Ärger groß. Doch darüber hinaus hält er sich in Grenzen.

Die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada ist vorbei, Fifa-Chef Gianni Infantino bleibt aber in den Schlagzeilen. Grund dafür ist ein Plan des Schweizers, den die „Times“, der „Telegraph“ und die „Financial Times“ enthüllten, nämlich: Anteile an der WM zu verkaufen. Die Fifa will eine Tochtergesellschaft namens „Fifa Forward Enterprise“ (FFE) gründen, die alle kommerziellen Aktivitäten und Turnierorganisationen bündeln soll. Private Investoren sollen sich dann an der FFE beteiligen dürfen. Rund 20 Prozent der Anteile sollten verkauft werden, was im ersten Jahr rund 4,2 Milliarden US-Dollar (3,7 Milliarden Euro) einbringen soll. Und Infantino könnte nach seinem Ausscheiden als Fifa-Chef den FFE-Vorsitz übernehmen.

Das allein hätte in Teilen der Fußball-Öffentlichkeit wohl schon genug Ärger mit sich gebracht. Weil aber ebenjene Investoren von Thrive Capital angeführt werden, an deren Spitze der Bruder von Donald Trumps Schwiegersohn steht, war der Gegenwind noch einmal stärker – zumindest in Europa. Schließlich waren die engen Verbindungen zwischen Infantino und Trump vielen Beobachtern schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Das gipfelte zunächst in der zurückgenommenen Roten Karte für den US-Stürmer Folarin Balogun nach einem Anruf Trumps bei Infantino während der WM.

Gegenwind für Infantino: „Hier wird eine Grenze überschritten“

Mit den neu enthüllten Plänen aber entlud sich noch mehr Ärger. Spaniens Ligachef Javier Tebas bezeichnete Gianni Infantino als „das Problem“ der Fifa. „Wir tauchen immer tiefer in den Eisberg ein, und es bleibt abzuwarten, was noch an die Oberfläche kommen wird“, schrieb er auf X. Die Uefa reagierte mit einer deutlichen Stellungnahme: „Damit wird eine Grenze überschritten, die die Führungsgremien des Fußballs niemals überschreiten sollten.“ Weiter hieß es: „Die Seele und die Führung des Fußballs sind keine Handelsgüter – insbesondere nicht, wenn keinerlei Transparenz darüber besteht, wer finanziell davon profitiert.“ Der DFB-Vizepräsident und DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke sagte dem „Kicker“: „Viele im europäischen Fußball sehen die Pläne der Fifa als absoluten Angriff auf den Fußball an. Diese Haltung teile ich. Hier wird eine Grenze überschritten.“ Die EFC, die Interessensvertretung der europäischen Fußballklubs, nahm die Entwicklungen „mit großer Besorgnis zur Kenntnis“ und prangerte die fehlende Transparenz an. „Es wäre durchaus angemessen, dass die EFC bei einem Vorschlag dieser Tragweite umfassend konsultiert wird.“

Javier Tebas übte deutliche Kritik an Infantinos Plänen. (Quelle: IMAGO/Eduardo Parra)

Mit Gegenwind aus Europa kennt sich Gianni Infantino aus. Die Uefa und einzelne Länder sind schon seit einigen Jahren scharfe Kritiker des 56-Jährigen. Sei es bei der WM in Katar, der reformierten Klub-WM, der Ausweitung der Weltmeisterschaft auf 48 Teams oder den völlig aus den Fugen geratenen Ticketpreisen in den USA. Infantino aber konnte diese Kritik aus Europa stets egal sein. Denn er hatte die Rückendeckung aus den anderen Teilen der Welt. Die XXL-WM beispielsweise kam in nahezu allen anderen Kontinentalverbänden gut an, schließlich ermöglichte sie mehr Ländern die Teilnahme und brachte mehr Geld ein. Und die teuren WM-Tickets halfen dabei, dass die Fifa die selbst gesteckten Einnahmeziele von 13 Milliarden US-Dollar am Ende nach eigenen Angaben um mehr als zwei Milliarden übertraf.

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