„Menschen können sich Leben nicht mehr leisten“

Sprunghafter Anstieg der Obdachlosenzahl in München

27.06.2026 – 03:41 UhrLesedauer: 2 Min.

Eine obdachlose Person (Symbolbild): Die Situation der Obdachlosigkeit wird in München nach Einschätzung von Experten schlimmer. (Quelle: Getty Images)

Die Münchner Obdachlosenhilfe „Aktion Brücke e.V“ versorgt an jedem Wochenende fast 1.800 Menschen. Der Bedarf steigt stark. Die Helfer sind verzweifelt.

Mehr als 50 selbst gebackene Kuchen, 450 Liter warmes Essen, 280 Liter Kaffee und etwa 300 Liter Erfrischungsgetränke: Was die Münchner Obdachlosenhilfe „Aktion Brücke e.V.“ jedes Wochenende an Nahrung und Getränken bereitstellt, ist enorm. Doch in letzter Zeit ist der Bedarf an Nahrung und Getränken dennoch nicht gedeckt. Zuletzt musste die Initiative noch einmal 100 Liter warme Speisen zusätzlich bereitstellen. Denn: Die Zahl der Menschen, die zur Essensausgabe kommen, ist in den vergangenen Wochen enorm gestiegen.

„Wir sind erschüttert“, sagt Anja Sauer von der „Aktion Brücke e.V.“ im Gespräch mit t-online. Pro Wochenende seien im letzten Quartal knapp 300 Menschen mehr an den Verteilungsstellen erschienen als in den Monaten zuvor.

Erklären könne man den Anstieg bei der Hilfsorganisation nicht eindeutig. Ein möglicher Grund seien die hohen Kosten in München. Sauer sagt: „Die Menschen können sich das Leben nicht mehr leisten. Die Mietpreise schnellen in die Höhe, zusätzlich explodieren die Energiekosten und die Benzinpreise“. Dazu kämen viele Rentner, die in Altersarmut gerieten.

Fast 1.800 Gäste pro Wochenende

Nach Angaben der Initiative kamen früher pro Wochenende etwa 1.200 bis 1.500 Gäste zur Essensausgabe. Inzwischen kratze man fast jedes Wochenende an der Marke von 1.800. Das sei nicht nur eine grobe Schätzung, sagt Sauer. Die „Aktion Brücke e.V“ gibt Gästekarten aus, mit denen sich die Menschen anschließend Essen abholen können. Daran lasse sich die Entwicklung klar ablesen.

„Wir haben wahnsinnig viele neue Gesichter“, sagt Sauer. Eine bestimmte Gruppierung lasse sich dabei nicht festmachen. Es seien ältere Menschen darunter, aber auch auffallend viele junge Frauen. Allein am vergangenen Wochenende musste sie 40 neue Karten für die Essensausgabe ausstellen.

Freiwillige der „Aktion Brücke e.V.“ bei der Arbeit: Viele Menschen sind in München auf Hilfe angewiesen. (Quelle: „Aktion Brücke e.V.“)

Für die Ehrenamtlichen bedeutet der Anstieg eine enorme Belastung. Die Initiative hat nach eigenen Angaben rund 140 Helferinnen und Helfer. Doch das ist bald nicht mehr genug: „Wir kommen versorgungstechnisch an unsere Kapazitätsgrenze“, sagt Sauer. Es gebe viel Zuspruch aus der Gesellschaft und viel Hilfe. „Aber es reicht halt einfach nicht. Es reicht vorne und hinten nicht.“

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