Verbraucherbeschwerden
Produkt seit Jahren in der Kritik – doch Milka ändert nichts
05.06.2026 – 09:37 UhrLesedauer: 3 Min.

Ein Milka-Produkt fällt seit Jahren negativ auf. Doch Mondelez ändert nichts.
Neben Nutella und Nusspli steht in vielen Supermarktregalen die Haselnusscreme von Milka. Doch das Produkt fällt nun zum dritten Mal negativ auf. Darüber berichtet das Portal „Lebensmittelklarheit“ der Verbraucherzentralen.
Eine Verbraucherin beschwerte sich über den geringen Haselnussanteil in der Creme. Obwohl sie „Haselnusscreme“ heißt, enthält sie lediglich fünf Prozent Haselnussmasse. Weitere Nüsse sind darüber hinaus nicht enthalten. „Dafür, dass das Produkt regulär fast 4 Euro kostet, fühle ich mich als Verbraucherin wirklich an der Nase herumgeführt“, sagt sie. Zum Vergleich führt sie eine Nusscreme aus dem Discounter an, welche weniger als 2 Euro kostet und trotzdem einen Haselnussanteil von 13 Prozent aufweist.
Die Beschwerde ist nicht neu. Bereits 2020 merkten Verbraucher an, dass der Begriff „Haselnussmasse“ in der Zutatenliste der Milka Haselnusscreme nicht klar sei und deren Anteil zudem nur bei fünf Prozent liege. Eine weitere Beschwerde erreichte das Verbraucherschutzportal 2023. In dem Jahr merkte eine andere Verbraucherin an, dass die Haselnusscreme „nur zu fünf Prozent aus Haselnussmasse“ bestehe und die ersten beiden Zutaten Zucker und Fett sind.
„Enttäuschend“
Verbraucherschützer sind von der Milka Haselnusscreme „enttäuscht“. Da sie nur 5 Prozent Haselnussmasse enthält, passe der Name nicht. In der Zutatenliste werden Haselnüsse erst an vierter Stelle aufgeführt – und dann sogar lediglich als „Masse“. Zudem sind Zucker, pflanzliches Öl und Süßmolkenpulver mengenmäßig bei der Haselnusscreme deutlich stärker vertreten als Haselnüsse. Die für eine Nuss-Nugat-Creme typische, bräunliche Farbe würde Milka durch die Zugabe von fettarmem Kakaopulver erreichen, erklärt „Lebensmittelklarheit“.
Dass es auch anders geht, zeigt die Konkurrenz. Laut den Verbraucherschützern liegt der Haselnussgehalt bei Brotaufstrichen, die Nuss-Nugat-Creme oder Schokoaufstrich/-creme mit Haselnuss heißen, deutlich höher als bei Milka. Sie enthalten mindestens zehn Prozent Haselnüsse – jede dritte sogar mehr als 30 Prozent. Angesichts dessen müsste bei einem Brotaufstrich mit dem Namen „Haselnusscreme“ der Haselnussanteil deutlich darüber liegen.
Was ist Nugat?
Nugat ist eine weiche bis schnittfeste Süßwarenmasse aus Nugatrohmasse (mindestens 65 Prozent) und Zucker (35 Prozent). Die Rohmasse besteht aus gerösteten oder gebrannten, zerkleinerten Nüssen oder Mandeln, Zucker und Kakaoerzeugnissen. Je nach Rezept können unter anderem Sahne, Butter, Milch, Honig oder Kaffee zugesetzt werden. Nugat wird häufig für Pralinen, Schokoladen sowie zur Verfeinerung von Gebäck und Desserts verwendet.
Den Verbraucherschützern ist bei ihrer Untersuchung zudem aufgefallen, dass keiner der untersuchten Brotaufstriche „Haselnussmasse“ als Zutat verwendet oder aufführt. Darüber hinaus sei unklar, was „Masse“ in dem Zusammenhang eigentlich bedeute. Laut den „Leitsätzen für Ölsamen und daraus hergestellten Massen“ besteht Nugat, also Haselnussmasse, aus gerösteten Haselnüssen, Zucker und Kakaoerzeugnissen. Besteht die Zutat jedoch ausschließlich aus Haselnüssen, müsste es Nussmus heißen. Die Verbraucherschützer gehen davon aus, dass die Haselnussmasse in dem Milka-Brotaufstrich ausschließlich aus Haselnüssen besteht.
Was sagt das Gesetz?
Laut der EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) dürfen Lebensmittel nicht täuschen. Beispielsweise müssen in einer Nusscreme Nüsse enthalten sein. Und in einem Joghurt, dessen Verpackung Erdbeeren zieren, müssen Erdbeeren enthalten sein. Letzteres umgehen die Hersteller jedoch, indem sie „Serviervorschlag“ in kleiner Schrift auf die Verpackung drucken.
Prominentestes Beispiel für Verbrauchertäuschen sind allerdings die sogenannten Mogelpackungen: Hersteller nutzen überdimensionierte Verpackungen, um eine größere Füllmenge vorzutäuschen. Dabei macht diese gerade einmal etwas mehr als die Hälfte aus.