„Instagram-Highway“ in Schottland
Ein ungewöhnliches Opfer des Massentourismus
13.08.2025 – 07:42 UhrLesedauer: 2 Min.
Die North Coast 500 in Schottland sollte den Tourismus fördern, doch das Projekt entfaltet ungewollte Folgen. Massen von Touristen belasten Natur und Anwohner.
Egal ob Kleidung, Kosmetik, Essen oder Reisen: Gerade junge Menschen lassen sich in den sozialen Netzwerken von Influencern inspirieren. Dass das aber besonders in Bezug auf Reisen schiefgehen kann, zeigen aktuelle Beispiele von überlaufenen Urlaubs-Hotspots und verzweifelten Anwohnern, die unter den Touristenmassen leiden.
Dazu zählt nun auch die North Coast 500 (NC500). Die 830 Kilometer lange Straße führt an der Nordküste Schottlands entlang und ist ein Projekt des Tourism Project Board der North Highland Initiative (NHI). Ziel war es, den Tourismus anzukurbeln und die einzelnen Regionen besser zu verbinden.
Das hat geklappt – aber offensichtlich ein wenig zu gut. Denn wie in so vielen Touristen-Hotspots gibt es entlang der North Coast 500 inzwischen massive Probleme. Verstopfte Straßen, Müll und verärgerte Anwohner sind die Folge. Dem „Telegraph“ sagte ein Bewohner der Region, dass es besser wäre, wenn Besucher mehr Respekt zeigten. Stattdessen benutzen einige Menschen die Straße als „Rennstrecke“ und „entsorgen ihren Müll in den Gräben“ entlang der North Coast 500.
Wie groß die Probleme sind, zeigen auch Facebook-Gruppen wie „NC500, the dirty truth“ („NC500, die schmutzige Wahrheit“) oder „NC500 the land weeps“ („NC500, das Land weint“). Auf Bildern, die in diesen Gruppen geteilt werden, sieht man Müllberge, illegal geparkte Wohnmobile und Camper und lange Staus auf verstopften Straßen. Die Anwohner beschweren sich über die Belastung durch die Touristen.
Inzwischen gibt es auf der offiziellen Webseite der North Coast 500 sogar einen Verhaltenskodex für Besucher. Touristen können dort Versprechen abgeben, die Natur und Bewohner zu respektieren. In der Charta finden sich Punkte wie „Ich verspreche, meinen Müll verantwortungsbewusst zu entsorgen“ oder „Ich werde nur auf offiziellen Campingplätzen oder in Unterkünften übernachten“. Dabei handelt es sich allerdings nicht um ein verpflichtendes Dokument – man will Besucher dazu anregen, sich angemessen zu verhalten.
Neben all den negativen Auswirkungen des Tourismus gibt es allerdings auch positive Aspekte. Dem Bericht des „Telegraph“ zufolge seien etwa viele Unterkünfte weit im Voraus ausgebucht, auch die Besucherzahlen für Sehenswürdigkeiten seien in den vergangenen Jahren gestiegen. Zudem habe die Route die Highlands weltweit ins Gespräch gebracht und Nachahmerprojekte in Schottland und England inspiriert.
