Niedrigwasser im Rhein

„Dann steht die Produktion still“


13.08.2026 – 00:06 UhrLesedauer: 5 Min.

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BASF-Fabrik am Rhein: Die Produktionsanlagen des Chemieriesen liegen südlich der Engstelle bei Kaub. (Quelle: IMAGO/Arnulf Hettrich/imago)

Die deutsche Chemieindustrie profitiert davon, dass chinesische Wettbewerber durch den Nahostkonflikt geschwächt sind. Jetzt trifft die Branche das Niedrigwasser zur Unzeit.

Der Rhein hat an der Engstelle Kaub einen neuen Tiefstand erreicht. Zu Wochenbeginn waren es noch 16 Zentimeter. Der bisherige Tiefstwert stammt aus dem Oktober 2018 und lag bei 25 Zentimetern. Aber es geht noch weiter: Nach der Vorhersage des Elektronischen Wasserstraßen-Informationsservices Elwis fällt der Pegel dort bis Samstag auf neun Zentimeter.

Damit droht dem Fluss eine Zweiteilung. Der Rhein sei im Prinzip nicht mehr durchgängig befahrbar, warnte Jens Schwanen, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt. Südlich von Kaub drohe ein komplettes Abschneiden der Transportwege, sagte Thomas Puls vom Institut der deutschen Wirtschaft der „Rheinischen Post“.

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Das trifft kaum eine Branche so hart wie die chemische Industrie. Sie braucht den Fluss gleich dreifach: als Transportweg für Rohstoffe und Produkte, zur Kühlung ihrer Anlagen und zur Dampferzeugung. Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), sagte t-online: „Die Warnsignale stehen auf Dunkelrot.“ Wenn Rohstoffe und Vorprodukte nicht rechtzeitig ankommen, „steht die Produktion still“.

Warum die Industrie am Schiff hängt

Die Binnenschifffahrt in Deutschland hat in den vergangenen Jahrzehnten an Bedeutung verloren. 2024 entfielen nur noch knapp sieben Prozent der gesamten Verkehrsleistung auf das Binnenschiff. Für schwere und großvolumige Güter gibt es aber kaum eine Alternative. Ein Binnenschiff transportiert bei normalem Wasserstand rund 4.000 Tonnen Ladung. Dagegen schafft ein Güterwaggon nur 60 Tonnen und ein Lastwagen bewegt gerade mal 25 Tonnen. Um ein einziges Schiff zu ersetzen, braucht es nach VCI-Angaben 67 Eisenbahnwaggons oder 160 Lastwagen – und damit auch 160 Fahrer.

Die Kapazitäten dafür gibt es nicht. Bundesweit fehlen nach Schätzungen der Verbände bereits 100.000 Lastwagenfahrer. Hinzu kommt, dass Mineralöl, Erze und Chemikalien häufig spezielle Tanklastwagen brauchen, die bei Speditionen selten sind. Naphtha etwa, das Rohbenzin der Chemieindustrie, läuft in großen Mengen von der Raffinerie über einen Anleger direkt ins Werk. „Ohne die Binnenschifffahrt gäbe es die meisten großen Chemieparks entlang des Rheins gar nicht“, sagte Puls dem „Spiegel“. Landseitig sei die Infrastruktur oft nicht vergleichbar gut ausgelegt.

Das Niedrigwasser kommt zur Unzeit

Zuletzt verspürte die hiesige Chemieindustrie eigentlich Rückenwind. Weil wegen des Kriegs am Persischen Golf Öltanker nicht mehr durch die Straße von Hormus bis nach China kommen, fehlen der dortigen Chemieindustrie die Rohstoffe, und der gestiegene Ölpreis verteuert ihre Ausfuhren. In Europa kommen dadurch weniger Chemikalien aus China an.

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