Neue Hoffnung
Erstes Alzheimer-Medikament ab sofort auch in Deutschland
01.09.2025 – 11:35 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein neu zugelassenes Medikament verspricht Hoffnung für Alzheimer-Patienten. Es verlangsamt das Fortschreiten der Erkrankung – zumindest in einem frühen Stadium.
Geißel Alzheimer: 1,8 Millionen Deutsche leiden an Demenz, die häufigste Form ist Alzheimer. Nun ist ein Medikament verfügbar – das erste. In den USA ist Leqembi (Wirkstoff Lecanemab) bereits seit 2023 erhältlich, dort erhielt es eine beschleunigte Zulassung, da die Ergebnisse Vorteile zeigten, die es erforderten, das Mittel auch nicht Nicht-Probanden zur Verfügung zu stellen. Seit heute kann das Mittel auch in Deutschland verordnet werden.
Bei Leqembi handelt es sich um einen sogenannten monoklonalen Antikörper – also ein künstlich hergestelltes Eiweiß, das sich gezielt an krankheitsrelevante Strukturen bindet.
Zur Erklärung: Bei Alzheimer kommt es zu Ablagerungen von bestimmten Proteinen im Gehirn. Diese stören die Kommunikation zwischen den Nervenzellen und gelten als eine Hauptursache für den geistigen Abbau. Leqembi erkennt bereits die löslichen Vorstufen dieser Plaque – sogenannte Protofibrillen – und markiert sie. Sie gelten als besonders toxisch für die Nervenzellen. Das Immunsystem greift daraufhin ein und baut diese schädlichen Strukturen ab.
Ein faszinierender Mechanismus, das zeigte sich auch in Studien: In der zentralen Zulassungsstudie wurde Leqembi an 1.795 Patientinnen und Patienten mit beginnender Alzheimer-Demenz getestet. Die Behandlung erfolgte über 18 Monate, alle zwei Wochen per Infusion.
Ergebnis: Die kognitive Verschlechterung (z. B. Gedächtnis, Alltagsfähigkeiten, Orientierung) schritt bei den Behandelten rund 27 Prozent langsamer voran als in der Placebo-Gruppe. Zudem konnte in Bildgebungsverfahren (CT, MRT) nachgewiesen werden, dass sich die Amyloid-Plaques im Gehirn deutlich reduzierten.
Leqembi wird alle zwei Wochen als Infusion verabreicht. Häufige Nebenwirkungen sind Schwindel, Kopfschmerzen und grippeähnliche Symptome. Außerdem kann es zu sogenannten ARIA kommen – Veränderungen im Gehirn, die auf MRT-Bildern sichtbar sind, etwa kleine Blutungen oder Schwellungen. Die Behandlung muss daher engmaschig überwacht werden.
Heilen kann Leqembi die Alzheimer-Krankheit nicht – es verlangsamt sie nur. Denn: Zwar werden die Amyloid-Ablagerungen reduziert, bereits geschädigte Nervenzellen lassen sich aber nicht wiederherstellen. Zudem beeinflusst Leqembi andere krankheitsrelevante Prozesse – etwa die Ablagerung von Tau-Proteinen oder Entzündungen – nicht.
Deshalb wirkt das Medikament nur in einem begrenzten Zeitfenster – und nur bei Patienten im Frühstadium, bei denen Amyloid-Ablagerungen nachgewiesen wurden, und wird auch nur dann verordnet.
