In einer Art Lastkahn soll der Buckelwal, der sich in der Ostsee verirrt hat, Richtung Atlantik transportiert werden. Aber ist das wirklich eine gute Idee?
Der Einsatz steht unmittelbar bevor: Eine private Initiative will Buckelwal Timmy mit einer sogenannten Barge aus der Ostsee bringen. Es sei eine Reise in einer Art stählernem Aquarium, heißt es. Die Frage ist allerdings, ob die Mission gelingen kann, ohne dem Tier erhebliche Qualen zuzufügen.
Der Meeresbiologe Fabian Ritter hat Zweifel. Im Gespräch mit t-online erklärt er, was alles schiefgehen kann – und dass der Wal möglicherweise bereits einmal massiv verletzt wurde, als ein Helfer eine schwere Baggerschaufel dirigierte.
t-online: Herr Ritter, welche Chance räumen Sie dem Versuch ein, Buckelwal Timmy per Lastkahn aus der Ostsee hinaus in die Freiheit zu schippern?
Fabian Ritter: Ich hoffe das Beste, aber ich befürchte das Schlimmste. Der Wal muss extrem kooperativ sein, damit das Vorhaben gelingt. So etwas ist auch mit kleineren Walen noch nie zuvor probiert worden. Es kann auch für die Helfer äußerst gefährlich werden, den Wal in die Barge zu bugsieren. Dieses ganze Unterfangen ist abenteuerlich.
Wieso? Was könnte passieren?
Die Reaktion des Wals ist komplett unvorhersagbar. Soweit der Plan bekannt ist, soll das Tier auf ein Netz gelegt und die Seiten des Netzes leicht angehoben werden, sodass der Wal nicht mehr fliehen kann. Aber er ahnt ja nicht, was auf ihn zukommt: Wenn sich dieses tonnenschwere Tier noch einmal richtig aufbäumt, wenn es in Panik gerät, dann kann es tragisch enden – für den Wal und für alle, die in der Nähe sind.
Im Video | Dieses Spezialschiff soll Wal Timmy retten
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Sollte der Wal trotz aller Risiken ins „schwimmende Aquarium“ gebracht werden können – was geschieht dann?
Es ist sehr beschönigend, von einem schwimmenden Aquarium zu sprechen: Der Wal wird in der Barge nicht frei herumschwimmen können, sondern er wird in einer Art Trage liegen, die ihn mehr oder weniger fixiert, damit er sich nicht verletzen kann. Seine Muskeln werden übersäuern, wenn er sich über Tage nicht rühren kann. Im Augenblick ist es ihm möglich, die Flipper und die Fluke zu bewegen. In der Barge wird das vermutlich nicht mehr gehen – und das ist eine Gefahr: Von Delfinen ist bekannt, dass sie, wenn sie ein paar Stunden an Land gelegen haben und nicht mobil waren, nicht einfach wieder ins Wasser gebracht werden können – sie müssen erst langsam wieder in die Gänge kommen, damit sie nicht untergehen.
