Neuer Millionen-Rückruf bei VW

Das ist erst der Anfang


26.09.2026 – 15:01 UhrLesedauer: 4 Min.

Millionen Fahrzeuge müssen in die Werkstatt: Der aktuelle Rückruf von Volkswagen verdeutlicht die Folgen moderner Strategien im Fahrzeugbau. (Quelle: IMAGO/Darryl Dyck)

Immer mehr Rückrufe, immer mehr betroffene Fahrzeuge. Der Eindruck ist eindeutig: Unsere Autos werden schlechter und schlechter. Doch das Problem ist ein ganz anderes.

Schon wieder müssen Millionen Fahrzeuge in die Werkstatt. Der aktuelle Rückruf bei Volkswagen zeigt, welche weitreichenden Folgen ein einzelner Fehler in der modernen Autoindustrie haben kann. Doch der eigentliche Wandel liegt noch viel tiefer.

Autos werden nicht schlechter – sie altern anders

Früher alterte ein Auto vor allem mechanisch: Rost setzte der Karosserie zu, Lager verschlissen, Dichtungen wurden porös, Motoren verloren mit den Jahren an Substanz. Langlebigkeit bedeutete deshalb vor allem, wie gut ein Fahrzeug diesen Verschleiß überstand.

Heute kommt eine zweite Dimension hinzu: die Software. In modernen Fahrzeugen stecken Hunderte Millionen Zeilen Code. Diese Zahl wird durch das autonome Fahren nochmals deutlich steigen. Und mit ihr auch die Anfälligkeit.

Das Problem: Digitale Systeme veralten rasant. Mobilfunknetze werden abgeschaltet, Apps verlieren ihre Kompatibilität, und Hersteller stellen irgendwann den Support für ältere Steuergeräte ein. Selbst wenn ein Auto mechanisch noch in bestem Zustand ist, verliert es so schleichend an Funktion – und damit massiv an Wert.

Vom Bauteil zum System

Über Generationen hinweg war die Qualität eines Autos greifbar: Standfeste Motoren, robuste Karosserien und ein solides Fahrgefühl standen für Haltbarkeit. Vor allem deutsche Autos kaufte man im festen Glauben an ein mechanisches Langzeitgut.

Ging etwas kaputt, ließ sich der Defekt meist an einem konkreten Bauteil festmachen. Eine verschlissene Kupplung wurde ersetzt, ein undichtes Lager ausgetauscht. Heute funktioniert das immer seltener.

Das moderne Auto ist ein vernetztes System aus Mechanik, Sensoren, Steuergeräten, Software und Cloud. Fehler entstehen deshalb kaum noch isoliert. Sie ergeben sich oft erst aus dem komplexen Zusammenspiel der Komponenten und können sich darin sogar verändern.

Denn Software altert nicht durch Abrieb. Sie altert, wenn sich ihre Umgebung verändert. So kann die Mechanik noch jahrelang perfekt funktionieren, während die digitale Infrastruktur längst an ihre Grenzen stößt. Damit verändert sich nicht nur die Art der Fehler und der Suche nach ihnen, sondern das gesamte Verständnis von Langlebigkeit.

Rüstig bis ins hohe Alter: Moderne Autos können viele Jahre lang fahren. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie auch so lange funktionieren. (Quelle: IMAGO/Zoonar.com/Robert Kneschke)

Software wird zum Qualitätsfaktor

Wie stark Software die Wahrnehmung von Zuverlässigkeit prägt, zeigt eine aktuelle Untersuchung des Datenanalyseunternehmens J.D. Power. Darin stieg die Zahl der Mängelmeldungen nach drei Jahren Besitzzeit auf den höchsten Stand seit Jahren. Hauptursache dafür ist das Infotainment: Mit fast 57 Problemen pro 100 Fahrzeuge führt es die Mängelstatistik deutlich an.

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Obwohl die Studie den US-Markt abbildet, zeigt sie eine globale Entwicklung: Fahrzeugqualität bemisst sich zunehmend an Konnektivität und Bedienlogik – und an deren Fehlern. Das Spektrum reicht von eingefrorenen Displays bis zu Steuergeräten, die nur per Update korrigiert werden können. Für Kunden fühlt sich das Auto dadurch fehlerhaft an, selbst wenn es mechanisch einwandfrei läuft.

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