So weit, so unklar also. Hier lohnt sich kein Verkämpfen, kein Überdeuten oder Verleugnen. Hitler-Redner? Haken dran.

Viel mehr Aussagekraft für den Geist der neuen „Generation Deutschland“ haben andere Personalien. Allen voran jene, die vom AfD-Vorstand zuvor abgesegnet und von der versammelten AfD-Jugend am Samstag mehrheitlich für gut befunden wurden. Im neugewählten Jugendvorstand tummeln sich nämlich Menschen mit völkischen Überzeugungen und tiefen Verstrickungen hin zu rechtsextremen Organisationen, die von den Behörden wegen ihrer Verfassungsfeindlichkeit beobachtet werden.

Jean-Pascal Hohm, Patrick Heinz, Kevin Dorow, Florian Ruß – sie sprechen sich für die „Identitäre Bewegung“ und schlagende Burschenschaften aus, für den so umstrittenen Begriff der „Remigration“; für ein Menschenbild also, das weiße Haut und biodeutsche Abstammung über die Staatsangehörigkeit stellt. Man kämpfe dafür, dass „Deutschland das Land der Deutschen“ bleibe, riefen sie in ihren Reden. Oder versprachen: Niemals werde man sich distanzieren, von niemandem. Egal also, wie radikal ein Mitglied ist.

Diese jungen Männer mögen ihren Zweckbund mit Kräften wie Alice Weidel geschlossen haben. Originär aber sind sie Fans und Freunde der radikalsten AfD-Scharfmacher, allen voran Björn Höcke und Matthias Helferich. Das kommt nicht von ungefähr: Seit jeher buhlt dieses Lager am stärksten um die Jugend in der AfD. Höcke fährt in Thüringen Moped mit Hunderten Teenagern im Schlepptau, Helferich richtet in Nordrhein-Westfalen regelmäßig Veranstaltungen für sie aus.

Sie investieren so viel Zeit in die Jungen, weil sie wissen, dass ihre Ziele nicht ad hoc zu erreichen sind. Die Hoffnung auf ein neues, braunes Deutschland ist ein Langfrist-Projekt, das in den Köpfen der Jungen beginnen muss, soll es Erfolg haben.

Andere Kräfte in der AfD haben sich dieser Dynamik schon lange ergeben – AfD-Chefin Alice Weidel beispielsweise verschwand am Samstag direkt nach ihrer Rede beim Jugend-Konvent. Helferich hielt bis zum Ende durch.

Jene, die in der AfD-Jugend nun das Sagen haben, wettern gegen migrantische Parallelgesellschaften. Dabei sind sie selbst eine Parallelgesellschaft, die lange nur versteckt in Burschenschafts-Kellern und Hinterzimmern existierte, ihre Ideen in Mini-Podcasts und Zeitschriften ohne Reichweite diskutierte.

Von der AfD aber werden sie nun einmal mehr auf den Präsentierteller gehoben, mit Steuergeld gefüttert. Ihre Ideen können sie nun auf Plakaten, in den sozialen Medien, in den Parlamenten verbreiten. Es ist der rote Teppich für Verfassungsfeinde. Und sie werden ihn zu nutzen wissen.

Diese Jugendorganisation wird deswegen nicht nur die AfD, sie dürfte auch Deutschland verändern. Allerdings nicht zum Besseren.

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