Riesiges Datenleck bei der AfD
Hacker erbeuten AfD-Mails – brisante Inhalte im Netz
20.10.2026 – 15:18 UhrLesedauer: 4 Min.
Die AfD hat einen Hackerangriff auf einen ihrer Dienstleister bestätigt. Im Internet sollen mehr als 420.000 E-Mails aufgetaucht sein. Darunter finden sich offenbar interne Unterlagen zu Parteiausschlüssen.
Unbekannte haben bei einem Hackerangriff auf einen Dienstleister der AfD Daten aus mehreren E-Mail-Postfächern der Partei erbeutet. Ein Parteisprecher bestätigte den Vorfall am Dienstag. Am Montag tauchte im Internet ein Datensatz auf, der insgesamt 421.179 E-Mails enthalten soll. Er umfasst mehr als 280 Gigabyte und ist im Internet mit größerem Aufwand abrufbar.
Leichter zugänglich ist eine Website, die zahlreiche E-Mails mithilfe künstlicher Intelligenz zusammengefasst und nach Themen geordnet hat. Die Originalnachrichten lassen sich dort allerdings nicht nachvollziehen. Die Echtheit und der genaue Zusammenhang einzelner Inhalte sind daher bislang nicht unabhängig bestätigt.
Hinzu kommt: Ein großer Teil der mutmaßlichen Korrespondenz stammt offenbar lediglich von AfD-Anhängern, die der Partei ihre Meinung mitteilten. Andere Nachrichten waren an mehrere Parteien gerichtet, die AfD stand lediglich in Kopie. Letztere lassen sich deshalb weder der AfD noch ihrer Parteiführung zurechnen.
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Der Angriff ereignete sich nach Darstellung der AfD bereits im September. Dabei seien „Teile einiger weniger Mail-Postfächer“ kopiert worden, erklärte die AfD. Die meisten davon seien seit Jahren nicht mehr genutzt worden. Aktuelle Postfächer – zumindest des Bundesverbands – seien nicht betroffen.
Unter den veröffentlichten Nachrichten befinden sich aber auch aktuelle Mails zu Verfahren des AfD-Landesschiedsgerichts in Nordrhein-Westfalen, ältere E-Mails der AfD-Chefin Alice Weidel und des früheren Parteivorsitzenden Alexander Gauland sowie von Hans-Holger Malcomeß, dem langjährigen Chef der Bundesgeschäftsstelle. Zudem sollen Ausweisdokumente, Kontoauszüge, Rechnungen und Mitgliederlisten enthalten sein.
Ein Beispiel für die mutmaßlich veröffentlichten Nachrichten verbreitete das Cybersicherheitsportal International Cyber Digest auf X. Laut dem Beitrag soll ein AfD-Mandatsträger Weidel im November 2018 während der Affäre um Wahlkampfspenden aus der Schweiz geraten haben, das Geld als verzinstes Darlehen zu verbuchen. Der Absender bezeichnete das als einzigen Ausweg. Ob die Nachricht echt ist, tatsächlich bei Weidel einging oder der Vorschlag aufgegriffen wurde, ist nicht geklärt.
Hinweise auf interne Parteiausschlussverfahren
Besonders brisant könnten die Unterlagen zu Parteiordnungs- und Parteiausschlussverfahren sein. In dem veröffentlichten Datenindex finden sich nach ersten Hinweisen Einträge zu internen Anträgen, Stellungnahmen und Entscheidungen zu umstrittenen Parteimitgliedern. Teilweise sollen sich in den Verfahrensunterlagen auch Beiträge finden, die kurz nach ihrer Veröffentlichung wieder gelöscht wurden.
Die Übersicht enthält unter anderem Hinweise auf Verfahren gegen den früheren AfD-Politiker Dubravko Mandic aus Freiburg und den ehemaligen stellvertretenden Bundesschatzmeister Frank Pasemann. Auch das letztlich gescheiterte Ausschlussverfahren gegen Björn Höcke, das unter der damaligen Parteichefin Frauke Petry angestrengt wurde, taucht darin auf. Ob die jeweiligen Originalunterlagen vollständig und authentisch vorliegen, ist noch nicht abschließend geklärt.
