Vielen Fußballfans ist die Lust vergangen, zur WM zu reisen, weil die Ticketpreise so hoch sind. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?
Das ist brutal. Eine Reise in die USA an sich ist schon teuer, jetzt diese horrenden Ticketpreise, das kann sich ja fast keiner mehr leisten. Das ist schade und geht in die völlig falsche Richtung, weil Fußball eigentlich verbinden und für alle zugänglich sein sollte. Hier ist die Fifa klar gefordert, diese Entwicklung zu stoppen.
Ein Riesenthema ist auch die zu erwartende Hitze in den Ausrichterländern.
Ich bekomme direkt Schweißausbrüche, wenn ich zum Beispiel an Houston denke, wo die deutsche Mannschaft ihr erstes WM-Gruppenspiel gegen Curaçao absolvieren wird. Das könnte ein Vorteil für den Außenseiter sein. Es wird eine große Herausforderung sein, sich der Situation anzupassen.
Wie kann sich die Mannschaft darauf vorbereiten?
Dosiertes Training, viele Pausen, viel Schlaf, viel Flüssigkeit zu sich nehmen – darauf muss der DFB seine Spieler einstellen, um am Ende dennoch sportliche Höchstleistungen bringen zu können. Das gilt auch für den Reisestress. In Amerika ist man dann auch mal acht Stunden unterwegs, um von einem Spielort zum anderen zu kommen.
Halten Sie das Lager der deutschen Mannschaft in North Carolina für strategisch gut gewählt?
Ich finde den Standort okay, hätte ihn persönlich aber eher nicht gewählt. Da kann es sehr einsam werden, die Möglichkeiten, mal rauszukommen, sind da begrenzter. Ich hoffe, dass die Mannschaft sich gut versteht, sonst kann da auch schnell ein Lagerkoller ausbrechen. Also, wenn es gut läuft, dann kann das super werden. Wenn die Ergebnisse nicht mitspielen, kann das auch zur Gefahr werden.
Man muss bedenken, dass die Spieler aus einer sehr langen Saison kommen. Sie sind müde, haben viele Spiele in den Knochen. Da ist die Reizschwelle gerade zu Beginn der Vorbereitung sehr niedrig. Ich hoffe, der DFB gibt den Spielern ein paar Freiheiten, um auch mal den Kopf freizubekommen.
Am Donnerstag gibt Julian Nagelsmann seinen WM-Kader bekannt. Glauben Sie, dass das Grundgerüst schon steht?
Ja, ich glaube, dass 20 Spieler auf jeden Fall schon feststehen. Eventuell gibt es noch ein, zwei Überraschungen. Ich würde auf jeden Fall zwei bis drei Spieler mitnehmen, die gut für das Mannschaftsgefüge sind. Von denen man weiß, dass sie ihr Ego hintanstellen und sich in den Dienst der Mannschaft stellen.
