Überraschendes Umfrageergebnis

Das denken die Deutschen über den Wenders-Skandal


05.06.2026 – 09:54 UhrLesedauer: 3 Min.

"In weiter Ferne, so nah!": Wim Wenders und Nastassja Kinski 1993 am Set.

„In weiter Ferne, so nah!“: Wim Wenders und Nastassja Kinski 1993 am Set. (Quelle: Courtesy Everett Collection/Imago)

Die Debatte um eine Nacktszene von Nastassja Kinski geht inzwischen weit über den betreffenden Film hinaus. Eine Umfrage von t-online zeigt, wie unterschiedlich die Deutschen darüber denken.

Der Film, der in den vergangenen Wochen eine breite Debatte über künstlerische Werke und die Verantwortung von Regisseuren ausgelöst hat, ist inzwischen mehr als 50 Jahre alt. In „Falsche Bewegung“ drehte Wim Wenders eine Szene mit der damals 13-jährigen Nastassja Kinski, in der sie mit nacktem Oberkörper von einem erwachsenen Mann geohrfeigt und gestreichelt wird. Die Schauspielerin forderte den Regisseur im Jahr 2014 erstmals und seitdem mehrfach auf, diese Szene herauszuschneiden. Erst jetzt, zwölf Jahre später, hat Wenders dazu öffentlich Stellung bezogen.

Zunächst sagte er beim Deutschen Filmpreis vergangene Woche, wo er für sein Lebenswerk geehrt wurde, dass er seinem jüngeren Ich keinen Vorwurf mache. Wenders war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 29 Jahre alt. „Ich weiß heute viel, viel mehr. Es gibt andere Sensibilitäten, wir leben in einer völlig anderen Welt als vor 50 Jahren“, so der Filmemacher rückblickend.

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Knapp eine Woche später entschloss er sich, zu handeln. Er zog den Film aus allen aktuellen Auswertungsformen zurück und wies Streaming-, TV- und Vertriebspartner an, ihn nicht mehr öffentlich zugänglich zu machen. Außerdem teilte er mit: „Als einziger der damals für ‚Falsche Bewegung‘ handelnden Verantwortlichen, der noch da ist, sehe ich, dass Nastassja Kinski damals hätte besser beschützt werden müssen. Dafür bitte ich Dich um Entschuldigung, Nastassja, ohne Wenn und Aber.“

Sollten Szenen entfernt werden dürfen?

Damit schloss er das Kapitel aber noch nicht. Stattdessen forderte er eine Debatte über den Umgang mit solchen Szenen: „Es ist nötig, dass unsere Gesellschaft angemessene Umgangsweisen für strittige Filmwerke des 20. Jahrhunderts findet und sich neuen Lernprozessen und inklusiven Perspektiven in Bezug auf Filme stellt.“

Doch was denkt eben diese von Wenders adressierte Gesellschaft darüber? Das Meinungsforschungsinstitut Civey ist dieser Frage im Auftrag von t-online nachgegangen. Um eine solche Umfrage über das aktuelle, individuelle Streitthema zwischen Wenders und Kinski hinaus in einen größeren Kontext zu stellen, entschieden sich Civey und t-online für folgende Formulierung: „Sollten Filmszenen, die Minderjährige entblößt oder in sexualisierter Weise zeigen, nachträglich aus veröffentlichten Filmen entfernt werden können, wenn die Betroffenen dies als Erwachsene verlangen?“

Die Umfrage zeigt: Eine knappe Mehrheit befürwortet das Herausschneiden solcher Szenen. (Quelle: civey)
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