„Kein Indiz dagewesen“
Abdul B. – was Nachbarn über den Tatverdächtigen sagen
26.07.2026 – 19:23 UhrLesedauer: 3 Min.
Am Tag nach dem Attentat auf den CSD in Berlin wird das Wohnhaus des Tatverdächtigen Abdul B. durchsucht. Die Polizei durchsucht sein Wohnhaus. Nachbarn erinnern sich an ihn – und zeigen sich schockiert.
Die Straße vor dem mutmaßlichen Wohnhaus von Abdul B. ist lang und schmal. Vom Bürgersteig aus ist die Wohnung seiner Familie zu sehen. Durch die angestaubten Fenster ist nicht viel zu erkennen. Darunter befindet sich der Eingang zu dem Haus, in das gerade nur Anwohner und Beamte Zutritt haben.
Hier soll die Familie des mutmaßlichen CSD-Attentäters gewohnt haben: Ein Mann hat am späten Samstagabend einen weißen Kleintransporter in die feiernde Menschenmenge des Berliner CSD gesteuert. Nach Angaben der Polizei wurden dabei 29 Menschen verletzt, eine Person kam ums Leben. Tatverdächtig ist der 21-jährige Abdul B.
Links neben dem Eingang des Hauses ist eine Spielothek. Der Schriftzug leuchtet, aber die Tür ist geschlossen. Vereinzelt stehen Menschen herum. Nicht viele. Nur Nachbarn, die sich begrüßen und reden, rauchen und manchmal wieder im Haus verschwinden. „Ich wohne seit 11 Jahren hier“, erzählt ein Bewohner des Hauses, der anonym bleiben möchte. „Man kennt sich als Nachbarn. Aber es ist kein Indiz dagewesen dafür, dass ich sage, der würde so einen Anschlag machen.“ Er sei schockiert, weil es in der Nachbarschaft passiert sei.
Hochzeitsfeier vor dem Wohnhaus
Ein roter Smart fährt vor. Der Fahrer, ein junger Mann, muss sich als Anwohner ausweisen und darf dann dort parken. Hamza ist 22 und kenne Abdul B. noch von „früher aus der Schule“. Die Familie von B. kenne er auch aus dem Haus und habe auch zur Mutter und zu den Schwestern nachbarschaftlichen Kontakt: „Man sagt sich Hallo. Die Schwestern gehen ganz normal zur Schule“. Abdul B. selbst sei vor etwa vier bis fünf Jahren plötzlich weg gewesen.
Vor einigen Monaten sei er wieder aufgetaucht und unregelmäßig gesehen worden. Geredet hätte Hamza nicht mit ihm, aber er erinnere sich noch, dass Abdul B. in der Zeit geheiratet habe: „Danach kam er immer mal zu Besuch, aber ich glaube, er wohnt hier nicht.“ Die Feier habe hier in der Straße vor dem grau-beigen Wohnhaus stattgefunden.

Ein lauter Knall und ein Treppenhaus voller Rauch
Einige Minuten später treten mehrere, teils vermummte Beamte aus dem Gebäude. Sie tragen einen Karton mit der Aufschrift „Papiertüten Spusi“ zu einem Auto. Dann fahren sie los. Es seien immer noch Beamte in dem Mehrfamilienhaus und in der Wohnung, bestätigt ein Polizist, mehr Auskunft könne er aber gerade nicht geben. Ein Spürhund wird die Straße entlang geführt und verschwindet mit einigen Beamten im Treppenhaus. Später ist er schnüffelnd durch die verstaubten Fenster der Wohnung zu sehen.
