600-jährige Geschichte
„Ist hart“: Traditionsbrauerei stellt Betrieb ein
Aktualisiert am 04.05.2026 – 08:09 UhrLesedauer: 2 Min.

Einer Braunschweiger Spezialität droht das Aus: Die einzige Mumme-Brauerei stellt die Produktion ein. Der Geschäftsführer spricht über die Gründe.
Eine jahrhundertealte Braunschweiger Tradition hat vorerst ein Ende: Die älteste und einzige Mumme-Brauerei hat den Betrieb eingestellt. Aktuell gehen noch Restbestände der lokalen Spezialität in den Verkauf, anschließend ist auch damit Schluss.
Laut Christian Basilius, Geschäftsführer der Mumme-Brauerei H. Nettelbeck KG, sind wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend für den Schritt. „Leider lässt es sich nicht darstellen, dass man halbwegs gewinnbringend ist oder davon leben kann“, sagt er im Gespräch mit der Braunschweig-Redaktion von t-online. „Es ist viel Aufwand und am Ende bleibt nichts übrig.“
Die Geschichte der Braunschweiger Mumme geht bis ins Mittelalter zurück. Auf einer Rechnung der Stadt aus dem Jahr 1390 tauchte sie als ein Bier mit hohem Malzgehalt auf, das zahlreiche Braunschweiger Brauereien herstellten. Ungefähr um das Jahr 1675 herum entstand dann die doppelte Segelschiff-Mumme: dickflüssiger, alkoholfreier Malzextrakt, der lange haltbar ist.
Im Laufe der Jahrzehnte verlor der Mumme-Handel an Bedeutung, helles Bier wurde immer beliebter und zahlreiche Brauereien schlossen. Übrig blieb nur die Nettelbeck-Brauerei. Leo Basilius, der Inhaber eines Lotterievertriebs, hatte das Rezept von den Erben der Familie Nettelbeck gekauft und setzte so die Brautradition fort.
Im Jahr 1996 übernahm, mittlerweile in der dritten Generation, Christian Basilius den Betrieb – und muss das Projekt nun schweren Herzens stoppen. „Ich habe jetzt 30 Jahre lang die Mumme gemacht. Sich dann eingestehen zu müssen, dass es leider nicht funktioniert hat, ist hart“, sagt er.
Das Problem: Die Mumme-Produkte funktionierten überwiegend als Tourismusartikel, erklärt Basilius. Die meisten würden es nur verschenken und wüssten selbst gar nichts damit anzufangen. Deshalb habe man versucht, mit weiteren Produkten wie Senf, Likör oder Grillsoße gegenzusteuern. „Das kam alles gut an, war aber relativ teuer, sodass es nicht geholfen hat, unsere Absätze nach oben zu bringen“, sagt Basilius. Am Ende habe man es nicht geschafft, dass die Braunschweiger die Produkte lecker genug finden, um mehr davon für den eigenen Bedarf zu kaufen.
Die Firma bleibe zwar vorerst bestehen, die Produktion ist allerdings eingestellt. Große Bestände habe man noch an die Stadt verkauft, die die Spezialität etwa in der Tourist-Info oder bei Veranstaltungen wie dem Tag der Niedersachsen anbietet – solange der Vorrat eben noch reicht.
