„Wenn ihr doch so starke Frauen seid, warum wart ihr denn nicht damals stark?“, fragt Gerhardt dann nämlich. „War das zu viel verlangt?“ Erst 30 Jahre danach mit der Sprache herauszurücken, bewertet er so: „Mein Gott. Was ist das für eine verklemmte Scheiße und vor allem eine riesige Heuchelei.“ Außerdem fallen die Wörter „gehirnkrank“ und „bescheuert“.

Sollten sich Gerhardt die Gründe dafür tatsächlich nicht erschließen, seien sie ihm hier einmal kurz erklärt: Die äußeren Rahmenbedingungen waren in den 90er Jahren gänzlich anders. Eine Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen in der Unterhaltungsbranche gab es vor allem auf dem Papier. Frauen blieb der Weg auf die ganz große Bühne meistens versperrt. Akteure waren fast ausschließlich Männer, Frauen waren Beiwerk und hatten vornehmlich die Aufgabe, gut auszusehen und nett zu lächeln. Zudem waren sie abhängig von männlichen Führungspositionen, Machthabern und Entscheidern. Abgesehen davon, dass es meist unmöglich war, solches Unbehagen zu äußern – weil es gar keinen Raum dafür gab – wären sie ohnehin überhört worden.

„Wir wissen ja, was in Afghanistan mit den Frauen passiert“

Sich heute hinzustellen und zu fragen, warum denn früher nichts gesagt wurde, beweist die Fülle von Gerhardts Losigkeiten: Empathielosigkeit gesellt sich zu Respektlosigkeit und paart sich mit Ahnungslosigkeit. Vor dem Bildschirm bleibt man mit Hoffnungslosigkeit zurück, die auch der weitere Verlauf des Gesprächs nicht mindert.

Tom Gerhardt: Eine seiner Kunstfiguren ist Hausmeister Krause. (Quelle: IMAGO/STAR-MEDIA)

Denn eigentlich, so Gerhardt, dürften sich die Frauen in Deutschland doch wohl gar nicht beschweren, immerhin gehe es denen doch gut. Jedenfalls, wenn man mal in andere Länder schaue – und so macht Gerhardt ein weites Feld auf: „Wir wissen ja, was in Afghanistan mit den Frauen passiert, die werden über die Straße gepeitscht, wenn sie irgendwas gemacht haben“, sagt er. „Wenn du im Iran gesungen hast, dann bekommst du 120 Peitschenhiebe und wirst zum Tode verurteilt.“ DAS gehöre seiner Meinung nach auf die Titelseiten der Magazine.

Was möchte uns Gerhardt mit solch absurden Vergleichen sagen? Inwiefern relativieren die Zustände in Afghanistan und dem Iran die Empfindungen deutscher Frauen in der Unterhaltungsbranche?

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