Nach Trump-Auftritt

Ärger über Audi-Chef eskaliert im VW-Intranet


27.10.2026 – 17:32 UhrLesedauer: 3 Min.

Gernot Döllner und Donald Trump: Der Audi-Chef mit dem US-Präsidenten auf einer Wahlkampfbühne. (Quelle: Mark Schiefelbein/AP/dpa/dpa-bilder)

Volkswagen hat eine interne Debatte über Gernot Döllner abrupt beendet. Neue Details zeigen zudem, unter welchem Druck der Audi-Chef nach Georgia gereist sein soll.

VW hat im konzerneigenen Intranet die Kommentarfunktion unter einem Beitrag zu Audis US-Plänen abgeschaltet. Auch bereits veröffentlichte Kommentare hat der Konzern gelöscht, wie der „Spiegel“ berichtet. Ein VW-Sprecher bestätigte den Vorgang und sprach von einem „Ausnahmefall“.

Hintergrund ist Döllners Auftritt bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump am Samstag in Georgia. Dort hatte Trump verkündet, dass Audi für 4,2 Milliarden Dollar (rund 3,6 Milliarden Euro) ein Werk in dem Bundesstaat baut. Audis eigene Richtlinien schließen öffentlich wirksame Termine mit Politikern in den drei Monaten vor Wahlen eigentlich aus. Am 3. November stehen in den USA die Zwischenwahlen (Midterms) an.

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Mehr als 200 Kommentare unter Klarnamen

Den Beitrag „Audi plant ersten US-Produktionsstandort in Georgia“ hatte VW vor zwei Tagen im Intranet veröffentlicht. Darunter sammelten sich laut „Spiegel“ mehr als 200 Kommentare – nach Angaben von Insidern ungewöhnlich viele. Zahlreiche Beschäftigte sollen dabei heftig über den Audi-Chef hergezogen sein. Bemerkenswert ist das auch, weil sie im Intranet in der Regel unter ihrem Klarnamen schreiben.

Inzwischen sind die Kommentare verschwunden. Unter dem Beitrag steht nur noch eine Anmerkung der Redaktion: Die Diskussion habe „den Rahmen eines sachlichen Meinungsaustauschs verlassen“. Sie habe gegen die Nutzungsbedingungen und gegen die Betriebsvereinbarung „Partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz“ verstoßen.

Der VW-Sprecher erklärte, der Konzern könne zwar auch einzelne Kommentare löschen. In diesem Fall sei die Debatte aber so unsachlich geworden, dass man die Funktion ganz abgeschaltet habe. Er verwies auf persönliche Beleidigungen und Äußerungen, die den Werten des Unternehmens widersprächen. Auch Mitglieder des VW-Aufsichtsrats zeigten sich laut „Spiegel“ über Döllners Auftritt verärgert.

Mehrheit hält Auftritt für unangemessen

Auch außerhalb des Konzerns stößt Döllners Auftritt auf Ablehnung. In einer repräsentativen YouGov-Umfrage nannten 39 Prozent der Befragten ihn „überhaupt nicht angemessen“, weitere 18 Prozent „eher nicht angemessen“. Nur 18 Prozent halten ihn für angemessen oder eher angemessen, ein Viertel äußerte keine Meinung.

VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo hatte erklärt, wer Trumps Rede gehört habe, müsse vor „Scham im Boden versinken“. IG-Metall-Chefin Christiane Benner nannte den Auftritt „politisch inakzeptabel“. Döllner verteidigte sich in einem Schreiben an die Beschäftigten: Man habe die Einladung „ausschließlich im Interesse des Unternehmens“ angenommen.

Döllner soll sich zunächst gesträubt haben

Wie es zu dem Auftritt kam, berichtet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Insider. Demnach bot Georgias Gouverneur Brian Kemp Audi einen Deal an, der nur bei zeitnaher Zusage gelten sollte. Zudem sollte Trump die Investition bei seinem Wahlkampfauftritt als Erster verkünden. Döllner habe sich erst „gewunden“, es sei aber schnell klar gewesen, „dass er keine Wahl hat“.

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