t-online auf der Teststrecke

Fahrtest entzaubert einen Reifenmythos


Aktualisiert am 04.08.2026 – 15:11 UhrLesedauer: 6 Min.

Rutschpartie: Nicht alle Reifen kommen mit dem nassen Untergrund klar.

Rutschpartie: Nicht alle Reifen kommen mit dem nassen Untergrund klar. (Quelle: Continental/Henning Scheffen)

Wie gut ein Reifen tatsächlich ist, zeigt sich manchmal erst im Ernstfall. Die Hersteller testen ihre Modelle deshalb gründlich. Ein Besuch auf einer Teststrecke.

Mit 85 km/h rauscht der elektrische BMW i4 fast lautlos auf die bewässerte Bahn zu. Mit einem festen Tritt aufs Bremspedal geht der Fahrer in die Eisen, die Nase des Stromers nickt nach vorn, der Wagen kommt auf dem nassen Asphalt zum Stehen. Die Messtechnik im Inneren zeigt einen Bremsweg von 39,2 Metern an. Knapp zehn Meter mehr als beim vorherigen Test mit einem anderen Reifen. Ein bemerkenswertes Ergebnis: Diese zehn Meter hätten beim zweiten Auto eine Restgeschwindigkeit von gut 40 km/h an der Stelle bedeutet, an der das andere Auto bereits gestanden hätte. Einziger Unterschied zwischen den beiden BMWs: Es waren andere Reifen aufgezogen.

Vollbremsung auf nasser Strecke: Die Ergebnisse fielen sehr unterschiedlich aus. (Quelle: Continental/Henning Scheffen)

Der Reifen gehört zu den unterschätzten Teilen am Auto, wenn es um Komfort und Sicherheit geht. Nicht alle bieten guten Grip in allen Situationen, aber auch nicht jeder ist für jedes Auto gleichermaßen geeignet. Auf dem Contidrom in Jeversen in der Nähe von Hannover testet der Zulieferer Continental seit 1967 seine in Europa entwickelten Reifen. Aber auch Autohersteller, andere Zulieferer und der ADAC mieten sich auf dem Gelände ein.

Contidrom bei Jeversen: Zu sehen sind unter anderem das Hochgeschwindigkeitsoval, das das Gelände umschließt, der Nasshandlingkurs (rötlich, bedingt durch das eisenhaltige Wasser) und die Hallen für verschiedene Tests und Werkstätten. (Quelle: Continental)

Anforderungen an Reifen haben sich verändert

Beim Pressetermin auf dem 1,6 Quadratkilometer (rund 220 Fußballfelder) großen Areal will Continental vorrangig mit einem Mythos aufräumen: Es brauche spezielle Reifen für E-Autos, um den Spagat zwischen geringem Verbrauch und großer Sicherheit zu schaffen. Durch das Aufkommen der fast lautlosen, aber durch die Batterien auch schwereren Fahrzeuge mit beschränkten Reichweiten haben sich die Bedürfnisse bei der Entwicklung verschoben. „Reifen müssen auf einen niedrigeren Rollwiderstand zugunsten des Verbrauchs entwickelt werden, gleichzeitig müssen sie aufgrund des geringeren Geräuschpegels in einem E-Auto aber auch leiser und gleichzeitig lange haltbar sein“, erklärt Andreas Hemmann, Produktmanager bei Continental.

Andreas Hemmann, Produktmanager bei Continental: Der Konzern stellt keine Reifen speziell für E-Autos her. (Quelle: Continental/Henning Scheffen)

Dennoch hat sich das Unternehmen entschieden, keine Reifen speziell für E-Autos zu entwickeln. „E-Autos sind so verschieden wie solche mit Verbrennungsmotor“, argumentiert Hemmann. Es gibt keine Anforderungen an Reifen, die nur für Elektrofahrzeuge gelten. Wie bei Elektrofahrzeugen ist auch der Trend bei Benzinern oder Dieseln in den vergangenen Jahren in Richtung größerer und schwererer Autos gegangen. Daher stellt Continental Reifen her, die sowohl zu Dieseln, Benzinern oder auch Hybriden oder E-Autos gleichermaßen passen, die Charakteristik des Autos widerspiegeln, so Hemmann: Ein Sportwagen, der hohe Geschwindigkeiten fährt, habe andere Anforderungen als ein Familienkombi oder ein Transporter, der vor allem schwere Lasten transportiert.

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