Das Rentenniveau beschreibt, wie hoch die Rente eines Durchschnittsrentners im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen ist. Fällt das Rentenniveau aufgrund des demografischen Wandels unter die Marke von 48 Prozent, müssen die Renten per Gesetz so weit erhöht werden, bis die 48 Prozent wieder erreicht sind. Das passiert aktuell. Die Renten steigen also stärker, als sie es eigentlich laut der Rentenanpassungsformel dürften.

Die Kommission empfiehlt nun, nach 2031 zu jährlichen Rentenanpassungen zurückzukehren, bei denen der Nachhaltigkeitsfaktor wieder greift – und zwar stärker als in der bisherigen Formel vorgesehen. Dadurch steigen die Renten auch künftig, aber etwas langsamer als die Löhne.

So funktioniert die Verschärfung

Die Verschärfung des Nachhaltigkeitsfaktors läuft über einen Stellhebel namens Alpha. Dabei handelt es sich um einen politisch willkürlich festgelegten Wert, der den Nachhaltigkeitsfaktor dämpft. Konkret regelt Alpha, zu wie viel Prozent die Veränderung des Verhältnisses zwischen Rentnern und Beitragszahlern bei der jährlichen Rentenerhöhung berücksichtigt wird. Aktuell hat Alpha den Wert 0,25 (also 25 Prozent). Laut der Kommission soll der Faktor „moderat auf 0,33 erhöht werden“, um die Lasten der Alterung ausgewogener zwischen Rentnern und Beitragszahlern zu verteilen.

Komplett ausgewogen wäre die Verteilung allerdings erst dann, wenn Alpha 0,5 betragen würde. Denn dann würden sich Rentner und Beitragszahler die Kosten im Verhältnis 1:1 teilen. Aktuell beträgt das Verhältnis 1:3 – Rentner tragen einen Teil der Last, Beitragszahler drei Teile. Wird der Vorschlag der Kommission umgesetzt, würde das Verhältnis 1:2 betragen. Grundsätzlich gilt: Je höher Alpha ist, desto stärker werden Rentenerhöhungen gedämpft und desto geringer fällt der Druck auf die Beitragszahler aus.

Heißt das, dass Renten gekürzt werden?

Nein. Die Wiedereinsetzung des Nachhaltigkeitsfaktors bedeutet keine Rentenkürzung. Sinkt die Zahl der Beitragszahler gegenüber der Zahl der Rentner, führt der Nachhaltigkeitsfaktor lediglich zu einer Kürzung der Rentenanpassung. Das bedeutet: Die Renten steigen weiterhin, allerdings weniger stark als ohne diese Reform.

Ein Beispiel: Steigen die Löhne in einem Jahr kräftig, würde das normalerweise auch die Renten deutlich erhöhen. Wirkt der Nachhaltigkeitsfaktor stärker, kommt bei den Rentnerinnen und Rentnern aber nur ein Teil davon an. Aus einer theoretischen Rentenerhöhung von vier Prozent könnten dann beispielsweise nur 3,7 Prozent werden. Bei einer Monatsrente von 2.000 Euro wäre das ein Unterschied von sechs Euro im Monat: Statt auf 2.080 Euro würde die Rente nur auf 2.074 Euro steigen.

Wer davon profitieren würde

Profitieren werden vor allem Beschäftigte, Arbeitgeber und die jüngere Generation. Wenn Rentenerhöhungen künftig stärker gedämpft werden, kann das den Anstieg der Rentenbeiträge bremsen. Auch der Bundeshaushalt könnte entlastet werden, weil weniger Steuergeld in die Rentenkasse fließen müsste. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hieße das: Ihr Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung könnte langfristig weniger stark steigen.

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