2G-Funknetz wird abgeschaltet
Millionen Autos droht das eCall-Aus
11.07.2026 – 06:29 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Mobilfunkbetreiber schalten das alte 2G-Netz ab. Das bedeutet für Millionen Autofahrer: Ihr automatisches Notrufsystem wird dann nicht mehr funktionieren. Bei der Hauptuntersuchung drohen Konsequenzen.
Seit 2018 schreibt die Europäische Union das eCall-System für alle neuen Pkw-Typen vor. Bei einem Unfall wählt das Gerät automatisch den Notruf. Das Problem: Millionen älterer Systeme funken ausschließlich über das veraltete 2G-Netz. Wenn Telefónica, Vodafone und die Telekom dieses Netz im Jahr 2028 abschalten, bricht die Verbindung für diese Fahrzeuge zusammen. Erst spätere Neuwagen erhielten modernere 4G- oder 5G-Module.
Der Streit um die Prüfplakette
Die Abschaltung führt zu einem Konflikt zwischen den Behörden und Prüforganisationen. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) beschwichtigt: Autos sollen die Hauptuntersuchung (HU) auch mit einem abgeschalteten eCall-System bestehen.
Der TÜV-Verband widersprach dieser Rechtsauffassung. Da der Gesetzgeber ein funktionierendes Notrufsystem verlangt, gelte ein stummes Gerät bei der Prüfung als erheblicher Mangel. Ohne eine entsprechende Gesetzesänderung würde es ab 2028 Probleme mit der Prüfplakette geben – selbst wenn das Auto mechanisch fehlerfrei ist.
Eine schnelle Nachrüstung ist laut dem Hersteller Oecon und dem ADAC nicht möglich. Passende Module fehlen. Zudem ist der Austausch der tief im Armaturenbrett verbauten Technik für Besitzer älterer Autos zu teuer. Das Smartphone lässt sich wegen strenger Zulassungsregeln nicht als Ersatz nutzen.
Industrie fordert Ausnahmen
Der TÜV forderte deshalb den Gesetzgeber auf, die Regeln rechtzeitig anzupassen. Der ADAC stellt ebenfalls klar: Ein netzbedingter Ausfall von eCall darf bei der Hauptuntersuchung nicht als erheblicher Mangel gewertet werden. Eine entsprechende Anpassung steht noch aus.
Auch die Autohersteller machen Druck. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) erinnert die Bundesregierung daran, dass der Einbau der alten Technik jahrelang gesetzliche Pflicht war. Der Verband fordert daher, das deutsche 2G-Netz flächendeckend weiterzubetreiben. Reagiert die Politik nicht, zahlt am Ende der Autofahrer – mit dem Verlust seiner Plakette.
