Merz stellt sich Bürgern bei RTL

„Warum lassen Sie uns mit unseren Problemen alleine?“


28.08.2026 – 01:58 UhrLesedauer: 3 Min.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Pinar Atalay stehen vor der RTL-Sendung „Am Tisch mit Friedrich Merz“. (Quelle: Sebastian Christoph Gollnow)

Bei „Am Tisch mit Friedrich Merz“ wurde der Kanzler von Bürgern mit massiven Vorwürfen konfrontiert. Merz wies das zurück: „Das geht zu weit.“

Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stellte sich Bundeskanzler Friedrich Merz auf RTL den Fragen von Talkgästen, die an seiner Regierung großteils kein gutes Haar ließen.

Die Gäste

  • Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler
  • Oliver Bernt, Ausbildungsbeauftragter, dreifacher Familienvater
  • Matthias Kappis, Bauingenieur und Unternehmer
  • Dr. Maria Bea Merscher, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin
  • Hannah Clemens, Pfarrerin aus Wernigerode

Den Auftakt machte Oliver Bernt aus dem Landkreis Coburg. Der gelernte Bankkaufmann und langjährige Unionswähler wollte von Merz wissen: „Warum kommen wir Familien in Ihrer Politik nicht vor? Und warum lassen Sie uns mit unseren Problemen alleine?“ Die Erhöhung des Kindergeldes um vier Euro im Monat halte er für kaum spürbar: „Das ist nichts.“

Merz wies die Kritik zurück. „Ich finde, Ihre Kritik ist ein bisschen zu hart.“ Er verwies dagegen auf höheres Kindergeld und einen höheren Kinderfreibetrag sowie eine geplante Steuerentlastung von bis zu 600 Euro im Jahr – Bernt überzeugte das nicht: „Die Familien fühlen sich alleingelassen“.

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Kappis: „Wo ist heute Ihr Bierdeckel?“

Unternehmer Matthias Kappis vermisste bei Merz den wirtschaftspolitischen Reformer früherer Jahre. Der Bauingenieur, der in Sachsen-Anhalt eine Ferienanlage in einem historischen Schloss betreibt, erinnerte an dessen Bierdeckel-Steuerreform von 2003, die ihn damals begeistert habe. Seine Frage: „Wo sind die innovativen Ideen, die die Wirtschaft nach vorne bringen?“ Auch die Abgrenzung zur AfD kritisierte Kappis. Demokratie lebe schließlich vom Wettbewerb um die besseren Ideen.

Mit dem Begriff ‚Brandmauer‘ konnte auch Merz wenig anfangen: Von diesem halte er „relativ wenig“. Eine Zusammenarbeit mit der AfD schloss er dennoch kategorisch aus. „Ich kann nicht halb austreten aus der Europäischen Union, ich kann nicht halb rausgehen aus der Nato, ich kann die CDU nicht halb zerstören.“ Die AfD gefährde die innere und äußere Sicherheit Deutschlands und pflege engste Verbindungen zu Russland und Putin. Auch für Sachsen-Anhalt ließ Merz keinen Spielraum: Spitzenkandidat Sven Schulze habe die Koalitionsfrage eindeutig beantwortet, zudem gebe es einen entsprechenden Parteitagsbeschluss.

Clemens: „Bereuen Sie die Aussage?“ – „Nein.“

Pfarrerin Hannah Clemens aus Wernigerode sprach Merz zunächst auf das „C“ in der CDU an und anschließend auf seine umstrittene Stadtbild-Äußerung. Aus ihrer Sicht würden damit Menschen pauschal abgewertet. Auf die Frage der Moderatorin, ob er die Aussage heute bereue, antwortete Merz knapp: „Nein.“ Er habe damit nie das äußere Erscheinungsbild von Menschen gemeint, sondern Verwahrlosung und Kriminalität in Innenstädten – „mit einem erheblichen überdurchschnittlichen Ausländeranteil. Und über diese Themen wird man ja reden müssen.“

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