Gefährliche Kiew-Reise

Merz unterstützt Ukraine – und appelliert an Putin

Aktualisiert am 04.10.2026 – 17:22 UhrLesedauer: 4 Min.

Merz und Selenskyj: Zwischen diese beiden passt im Moment kein Blatt Papier. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa/dpa-bilder)

Noch nie war ein Kanzler-Besuch in Kiew so gefährlich. Immer wieder heulen die Sirenen. Merz bringt eine klare Botschaft an die Ukrainer mit. Aber auch eine an Putin und gewisse Leute in Deutschland.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat den Ukrainern mit einem Solidaritätsbesuch in Kiew im Abwehrkampf gegen Russland den Rücken gestärkt und eindringlich an den russischen Präsidenten appelliert: „Herr Putin, hören Sie diesen sinnlosen Krieg auf!“ Er sei bereit zu Gesprächen, sagte der Kanzler vor der Ruine der vor wenigen Tagen bei einem Drohnenangriff zerstörten Akademie der Wissenschaften. „Aber diese barbarischen Angriffe auf die Zivilbevölkerung der Ukraine müssen aufhören.“

Russland setzte seine Luftangriffe auf Kiew und die gesamte Ukraine während des Besuchs aber verstärkt fort. Auf der Nordbrücke über den Fluss Dnipro schlug erneut eine Drohne ein, die Rauchsäule war weithin sichtbar. Mindestens zwei Menschen wurden nach offiziellen Angaben verletzt. Der Kanzler war zu der Zeit nur gut fünf Kilometer entfernt in der deutschen Botschaft in Sicherheit. Allein in den ersten fünf Stunden seines Besuchs wurde fünfmal Drohnenalarm in der Hauptstadt ausgelöst.

Die Sirenen heulten auch, als er zusammen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj das besichtigte, was von dem historischen Gebäude der Akademie der Wissenschaften übriggeblieben ist. „Das sind tägliche Kriegsverbrechen, die hier verübt werden“, sagte Merz dort.

Russland kündigt noch härtere Schläge gegen Ukraine an

Das russische Verteidigungsministerium kündigte während Merz‘ Solidaritätsbesuch eine noch weitere Verschärfung seiner Schläge gegen Kiew und andere Gebiete der Ukraine an. Damit reagiere Moskau auf Drohungen Selenskyjs, weitere militärische Objekte und Rüstungsbetriebe in Russland anzugreifen, teilte das Ministerium mit. Den Krieg begonnen hatte Russland.

Auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und zehn Unternehmer aus den Bereichen Rüstung und Energie reisten mit Merz nach Kiew. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa/dpa-bilder)

Insgesamt 1,35 Milliarden Euro für Waffen und Infrastruktur

Merz wurde in Kiew von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und zehn Unternehmern aus den Bereichen Rüstung und Energie in Kiew begleitet. Der Kanzler brachte konkrete Hilfe mit. In Kürze soll die Auslieferung Tausender Abfangdrohnen beginnen, mit denen die schnellen und daher besonders gefährlichen russischen Kampfdrohnen mit Düsenantrieb bekämpft werden können.

Zudem soll die Produktion weitreichender Waffen vorangetrieben werden, mit denen Nachschublinien hinter der Front in Russland angegriffen werden können. Insgesamt sollen dafür eine Milliarde Euro aus bereits bewilligten Haushaltsmitteln freigegeben werden – und weitere 350 Millionen Euro für die Reparatur und den Wiederaufbau zerstörter Kraftwerke.

Deutschland ist größter Unterstützer der Ukraine in ihrem seit mehr als viereinhalb Jahren dauernden Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg. Während des Besuchs wurden auch 16 Unternehmensabkommen unterzeichnet, nach Angaben aus der deutschen Delegation mit einem Wert von 6,5 Milliarden Euro. Dabei geht es vor allem um Rüstungsgüter.

Selenskyj attestiert Deutschland „konsequente Führungsstärke“

Selenskyj dankte Merz dafür, dass Deutschland „konsequent Führungsstärke beim Schutz der Leben der Ukrainer und Ukrainerinnen vor russischen Angriffen beweist“. Russland müsse „gemeinsam gestoppt werden“.

Der Kanzler sah sich auch eine Drohnen-Ausstellung an. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa/dpa-bilder)
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