Ihre Klausur findet in Leipzig statt. Im Osten hat es ihre Partei traditionell schwer. Die Umfragen für die anstehenden Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sind schlecht. Welches Angebot kann Ihre Partei Menschen im Osten machen?

Ich bin überzeugt, die Grünen werden gebraucht, sowohl in Sachsen-Anhalt als auch in Mecklenburg-Vorpommern. Das Engagement für den Schutz von Natur und Umwelt ist im Osten tief verankert. Wenn Sie an das Grüne Band denken, den Schutz der Elbe, den Nationalpark Jasmund oder die Vorpommersche Boddenlandschaft: Das trägt alles eine grüne Handschrift. Und darüber hinaus haben wir selbstverständlich den Anspruch, auf Fragen von Gerechtigkeit, des Zusammenhalts, des sozialen Miteinanders oder der Bezahlbarkeit des Lebens im Alltag Antworten zu geben. Und wenn wir auf die Umfragewerte in Sachsen-Anhalt schauen, ist es wichtig, dass wir als Bündnisgrüne dort weiter im Landtag vertreten sind. Denn absolute Mehrheiten der AfD müssen verhindert werden – durch die Anwesenheit demokratischer Parteien.

In der Führung der Grünen gibt es allerdings kaum Ostdeutsche. Mit Claudia Müller gehört nur eine Grüne aus Ostdeutschland dem zwölfköpfigen Fraktionsvorstand im Bundestag an. Ist das nicht ein großes Problem?

Nein, das glaube ich nicht. Wir haben als Partei und als Fraktion den Anspruch, alle Bundesländer zu repräsentieren und allen inhaltliche Angebote zu machen. Zum ersten Mal haben wir in dieser Legislatur mit Katrin Göring-Eckardt übrigens auch eine eigene Ostbeauftragte in der Fraktion. Außerdem haben wir eine eigene Arbeitsgruppe der ostdeutschen Abgeordneten. Der Austausch untereinander ist groß. Für uns hat die ostdeutsche Perspektive in Debatten immer einen Raum.

Schauen wir noch mal in den Westen, wo Cem Özdemir als Ober-Realo erfolgreich ist. Sie gehören ebenfalls dem Realo-Flügel an. Wie sehr bestätigt Özdemirs Erfolg auch Sie selbst und Ihren Kurs für die Grünen?

Viele hätten vor noch einem halben Jahr nicht geglaubt, dass wir in Baden-Württemberg eine solche Aufholjagd hinlegen können. Aus dem Erfolg von Cem Özdemir lässt sich vieles für uns als Partei lernen. Er hat in seinem Wahlkampf auf Zuhören gesetzt, ist ins direkte Gespräch mit den Leuten gegangen. Bei aller Unterschiedlichkeit innerhalb der Grünen und der Vielfalt der Bundesländer: Das kann man sich definitiv abgucken.

Zu Ihrer Fraktionsklausur haben Sie die CDU-Politikerin und Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) Annegret Kramp-Karrenbauer eingeladen. Loten Sie da schon mal Schwarz-Grün aus?

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