Laut Bilanz
Hamburgs Tourismus wächst – und schrumpft zugleich
24.08.2026 – 16:51 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Übernachtungszahlen steigen leicht, doch Tagesreisen brechen seit einigen Jahren ein.
Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Übernachtungszahlen in Hamburg um 0,5 Prozent auf 7,76 Millionen. Das nominale Plus verdeckt jedoch eine gegenläufige Entwicklung: Die Zahl der Tagesreisen in die Stadt ist im Vergleich zu 2019 von 105 auf 95 Millionen gesunken, und der touristische Gesamtkonsum liegt inflationsbereinigt unter dem Niveau von 2019 – obwohl er nominal auf rund 10,5 Milliarden Euro gestiegen ist. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens DIW Econ GmbH hervor, die im Auftrag der Hamburg Tourismus GmbH erstellt wurde.
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Das Übernachtungswachstum trägt vor allem der Inlandsmarkt. Gäste aus Deutschland buchten 1,5 Prozent mehr Nächte als im Vorjahreszeitraum – insgesamt 6,23 Millionen. Auslandsgäste kamen dagegen seltener: Ihre Übernachtungszahlen sanken um 3,5 Prozent auf 1,53 Millionen, wie Geschäftsführer Michael Otremba von der Hamburg Tourismus GmbH mitteilte.
Eine Familie aus dem Hamburger Umland überlegt zweimal
Den Rückgang bei den Tagesreisen führt die Studie auf gestiegene Preise zurück. In Deutschland seien die Preise seit 2019 um rund 20 Prozent gestiegen, heißt es darin. Eine Familie aus dem Hamburger Umland, die 2019 noch für einen Tagesausflug in die Stadt gefahren wäre, überlegte sich das im Jahre 2024 angesichts höherer Kosten für Benzin, Parken und Gastronomie zweimal. Wer dennoch komme, gehe seltener essen und kaufe weniger ein.
Der Tourismusbranche werden laut derselben Studie für das Jahr 2024 rund 85.000 Beschäftigte zugerechnet – gegenüber knapp 94.000 im Jahr 2019. Die Studienautoren betonen, das bedeute nicht zwingend, dass diese Stellen weggefallen seien. Der Rückgang spiegele den kleineren Anteil wider, der dem Tourismus bei der Gesamtbeschäftigung zugerechnet werde.
Dämpfende Faktoren: Kriege in der Ukraine und am Persischen Golf
Otremba nannte die Kriege in der Ukraine und am Persischen Golf als dämpfende Faktoren. Die Gäste buchten niedrigere Hotelkategorien oder verzichteten im Restaurant auf die Vorspeise. „Wenn wir nach vorne schauen, sind wir trotz der Wolken optimistisch“, sagte er.
Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD) setzt auf die geplante Fehmarnbelt-Querung als Impulsgeber für mehr Besucher aus Skandinavien. Sie erwarte, dass der Hamburger Tourismus durch den Tunnel einen Schub bekomme – unabhängig vom genauen Eröffnungstermin. Nach Angaben des Statistikamts Nord buchten dänische Gäste im ersten Halbjahr knapp 145.000 Übernachtungen in der Stadt und stellten damit die größte ausländische Besuchergruppe. Schweden folgte mit rund 51.000 Übernachtungen.
