Halten Sie die AfD Mecklenburg-Vorpommern also für regierungsfähig?
Das ist eine Partei, die Mitglieder hat, die ich für problematisch halte. Trotzdem bleibe ich bei meiner Grundaussage, dass man auch für Koalitionen mit der AfD offen sein sollte. Die Menschen sollten zumindest sehen können, was passiert, wenn die AfD mal regiert. Ich bin überzeugt, dass sie sich dann entzaubert und sehr schnell den Märtyrerstatus verliert. Auch das bemerken die Wähler.
Sie selbst haben von der Brandmauer profitiert. 2025 wurden Sie mit breiter Unterstützung der demokratischen Parteien gegen einen AfD-Kandidaten erneut zum Landrat gewählt. Wie erklären Sie Ihren Wählern Ihre Öffnung hin zur AfD?
Wer mich schon länger kennt, weiß, dass ich früher schon öffentlich kritisiert habe, dass vor manchen Themen – wie der verfehlten Migrationspolitik – die Augen verschlossen wurden. Jeder wusste also, auf wen er sich einlässt. Wenn es nun Kritik gibt, dann muss ich das aushalten.
Bisher haben Sie vor allem die anderen Parteien kritisiert. Aber welche Verantwortung trägt die AfD selbst für die Polarisierung der Gesellschaft?
Sie trägt eine Mitverantwortung.
In ihrer Medienarbeit setzt die AfD natürlich auf Verknappung, Zuspitzung und Vereinfachung – besonders auf Social Media. Die Partei tritt schon auch schrill auf. Aber die anderen verhalten sich nicht besser.
Besonders schrill ist die Partei bei der Migration. Sie sagten dazu in einem Interview mit der „FAZ“, dass dieses Thema im Alltag von gut 90 Prozent der Menschen in Ihrer Region eigentlich keine Rolle spiele. Warum ist es dennoch so wahlentscheidend?
Die Frage verblüfft mich. Die Bürger machen sich doch trotzdem über die langfristigen Folgen der Politik Gedanken. Und sie schauen natürlich auch auf andere Teile der Republik, wo die Migrationspolitik teils schiefgelaufen ist, wie etwa beim angesprochenen Fall in Köln. Wenn sich an dieser Politik dann nichts ändert, führt das auch zu Misstrauen.
Aber ist es nicht zu einfach, für alle Probleme im Land die Flüchtlinge verantwortlich zu machen?
