Aus Erkenntnissen in diesem Ermittlungsverfahren begründet sich ein Anfangsverdacht gegen Krah selbst: Gegen ihn ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft Dresden seit Mai wegen mutmaßlicher Bestechlichkeit als Europaabgeordneter und Geldwäsche. Deswegen durchsuchte sie vor Kurzem sein Bundestagsbüro sowie seine Wohn- und Geschäftsräume. Sie geht dem Verdacht nach, die Zahlungen an Guos Anwalt Krah aus dem Firmennetzwerk, das t-online offengelegt hatte, hätten womöglich einem anderen Zweck gedient und auf Gegenleistungen in seinem Mandat als Abgeordneter gezielt. Krah bestreitet das vehement.
Der noch weitaus größere Ermittlungskomplex um Krahs Büro befasst sich allerdings mit Russland – genauer mit dem Einflussnetzwerk des kremltreuen Oligarchen Viktor Medwedtschuk. Weitläufig ist es unter dem Namen des vermeintlichen Online-Mediums „Voice of Europe“ bekannt, über das Politiker laut tschechischen Behörden europaweit bestochen worden sein sollen. Die Verwicklungen sind aber älter und reichen darüber hinaus.
Seit über einem Jahr prüft die Generalstaatsanwaltschaft Dresden, ob ein Anfangsverdacht gegen Krah vorliegt, Gelder aus Russland angenommen zu haben. Er bestreitet jedes Fehlverhalten. Mehr als sechs verwandte Verfahren in seinem Umfeld sind aber über Vorermittlungen bereits deutlich hinaus.
In mehreren EU-Staaten wird wegen der mutmaßlichen Schmiergelder ermittelt, die über „Voice of Europe“ an EU-Abgeordnete geflossen sein sollen. Die belgische Bundesanwaltschaft durchsuchte deswegen im Jahr 2024 Büro und Wohnungen von Krahs zweitem ehemaligen Assistenten Guillaume Pradoura. Dabei gingen die Ermittler offenbar auch der Auffälligkeit nach, dass nahezu alle Abgeordneten, bei denen er arbeitete, über kurz oder lang bei „Voice of Europe“ auftauchten. Die Ermittlungen dauern an.
Krahs damaliger Assistent Pradoura war es auch, der den Polen Janusz Niedźwiecki mit Krahs Zustimmung 2019 über dessen Büro für das EU-Parlament akkreditiert hatte. Niedźwiecki half bei der Lobbyarbeit für Medwedtschuk und gelangte mit Krah und Pradoura so auch in den Bundestag. Der polnische Generalstaatsanwalt hat Niedźwiecki 2021 festgenommen und 2024 angeklagt, für Russland spioniert zu haben. Bei Durchsuchungen wurden große Mengen Bargeld gefunden. Wann der Prozess beginnt, steht noch nicht fest.
