So sei es auch beim „Karnevalsmord“ gewesen, sagte Weber Mitte Februar im Gespräch mit der Kölner Lokalredaktion von t-online: „Beim ‚Karnevalsmord‘ hätte der reine Hinweis des Zeugen nicht ausgereicht, die Spurenlage allein auch nicht. Erst die Kombination der beiden, die durch die TV-Sendung erst zustande kam, hat uns auf die richtige Spur geführt.“

Heute als Chef-Ermittler in den besonders lange zurückliegenden Fällen muss Weber noch auf etwas anderes setzen: auf seine Geduld. In seinen lange ungelösten Fällen gibt es nur selten neue Entwicklungen oder neue Zeugen. Weber und sein Team betreiben eine kleinteilige Puzzlearbeit, immer in der Hoffnung, den Täter auch noch nach Jahrzehnten zu schnappen.

„Es war für mich anfangs nicht leicht, aus dem operativen Geschäft zu den Cold Cases zu wechseln“, so Weber zu t-online. „Aber im Nachhinein muss ich sagen: Die Einheit beschäftigt sich mit sehr spannenden Fällen, bei denen man einen langen Atem haben muss.“

Einen Mord noch nach Jahrzehnten aufklären zu können, sei dann doch ein „cooles, gutes Gefühl“, so Weber. „Natürlich macht man’s auch dafür. Aber man macht es vor allem für die Angehörigen des Opfers und um dem Täter klarzumachen: ‚Es kann sein, dass wir auch nach 30 Jahren noch bei dir auf der Matte stehen. Wir lassen nicht locker.'“

Schon als Kind wollte der gebürtige Bonner, der in Antwerpen aufgewachsen ist, zur Kriminalpolizei. 1981 startete er seine Polizeikarriere, zunächst im Streifendienst. 1994 kam er zum Kölner Kriminalkommissariat 11, das für Tötungsdelikte und Todesermittlungen zuständig ist; drei Jahre später wurde er Leiter der Mordkommission.

Die Arbeit bei der Mordkommission war von Anfang an Webers Traum. „Man weiß nie, was passiert und wann etwas passiert. Man muss von jetzt auf gleich los und weiß nicht, was einen am Tatort erwartet.“ Mit seinem Team akribisch Indizien zu einem stimmigen Bild zusammenzutragen, sei unglaublich spannend.

Aber Ende Mai hört Weber endgültig auf und so manchen Mordfall wird er bis dahin nicht mehr lösen können. Eine hundertprozentige Aufklärungsquote habe wohl kein Ermittler, meint er. Und wer sich daran störe, könne den Job als Mordermittler gar nicht aushalten.

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