Debatte über Sicherheitsrat-Debakel bei Lanz

„Die Welt hat Deutschland abblitzen lassen“


Aktualisiert am 04.06.2026 – 07:46 UhrLesedauer: 3 Min.

Kerstin Münstermann bei „Lanz“ (Archivbild): Sie sieht eine Klatsche für Deutschland. (Quelle: IMAGO/teutopress GmbH/imago)

Ist die Bundesrepublik außenpolitisch angezählt? Die Journalistin Kerstin Münstermann erklärt bei „Markus Lanz“, woran die deutsche UN-Kandidatur gescheitert sein könnte.

Die Lage an der ukrainischen Front scheint sich zuletzt deutlich zugunsten des angegriffenen Landes entwickelt zu haben. So konnte die Ukraine nicht nur die letzten russischen Offensiven erfolgreich abwehren, sondern in einigen Regionen sogar Geländegewinne erzielen. Ebenso gelingt es dem ukrainischen Militär, mit gezielten Drohneneinsätzen Wirkungstreffer auf russischem Territorium weit hinter der Front zu erzielen. So auch am Dienstag in Sankt Petersburg, von wo aus der russische Präsident Wladimir Putin mit dem Wirtschaftsforum SPIEF ein Signal der Normalität ans eigene Volk und in die Welt zu senden hofft.

Der Kriegsreporter Ibrahim Naber zeigte sich am Mittwochabend bei „Markus Lanz“ verhalten hoffnungsvoll, dass die gegenwärtige Situation die Chancen für eine diplomatische Lösung erhöhen könnte. Schließlich sei Putin von seinem Plan, bis zum Jahresende wenigstens die gesamte Ostukraine zu erobern, meilenweit entfernt, erklärte der „Welt“-Journalist. Gleichzeitig habe die Ukraine zunehmend Probleme, ausreichend Flugabwehrraketen zu beschaffen und Frontsoldaten zu rekrutieren.

Die Gäste

  • Adis Ahmetović, außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion
  • Johannes Winkel, CDU-Bundestagsabgeordneter, Vorsitzender der Jungen Union
  • Kerstin Münstermann, Journalistin
  • Ibrahim Naber, Kriegsreporter

In der Talkrunde herrschte Konsens darüber, dass man diese Pattsituation für eine diplomatische Offensive nutzen sollte. Als der Moderator allerdings von Adis Ahmetović, dem außenpolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Genaueres dazu wissen wollte, wurde klar, dass die europäische Politik für mögliche Verhandlungen noch immer nicht ausreichend gut vorbereitet ist.

Es werde im E3-Format aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien sowie in Rücksprache mit den anderen europäischen Partnern an einer möglichen Initiative gearbeitet, sagte der SPD-Politiker, ohne größere Klarheit zu schaffen. Man müsse „den Mut aufbringen, zu sagen, wir als Europäer wollen an den Verhandlungstisch“, führte Ahmetović weiter aus. Moderator Lanz reagierte auf diese wenig handfesten Äußerungen mit Fassungslosigkeit und verwies auf die Menschenleben, die auf dem Spiel stünden, sowie auf die hohen Kosten, die der Krieg auch für Deutschland verursache.

Merz, Starmer und Macron diplomatisch gefordert

„Das ist typische europäische Außenpolitik“, befand auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Winkel. Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität sei trotz des großen europäischen Eigeninteresses unglaublich hoch. Einig war sich der Christdemokrat mit seinem sozialdemokratischen Diskussionspartner allerdings darin, dass der von Putin als Vermittler ins Spiel gebrachte Ex-Kanzler Gerhard Schröder als Personalie nicht infrage komme. Winkel sprach in diesem Zusammenhang von einem absurden Vorschlag, der keine echte Verhandlungsbereitschaft signalisiere. Über eine geeignetere Personalie müssten stattdessen die drei mächtigsten westeuropäischen Regierungschefs entscheiden. „Das ist eine Sache, die Merz mit Starmer und Macron klären muss. Ganz einfach“, konstatierte der CDU-Mann.

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