Diskussion um Preise
Senkung der Ticketsteuer: Luftfahrt verspricht mehr Flüge
Aktualisiert am 14.11.2025 – 16:07 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Bundesregierung will mit einer Steuersenkung den Luftverkehr entlasten. Aber was kommt davon bei den Passagieren an?
Steigende Touristenzahlen, ein größeres Flugangebot und mehr Messebesucher: Die Reise- und Luftverkehrswirtschaft verspricht sich einiges von der angekündigten Absenkung der deutschen Luftverkehrssteuer ab Mitte des kommenden Jahres und weiteren Maßnahmen. Unkonkret bleibt sie hingegen bei der Frage, ob dadurch auch die Tickets für Fluggäste günstiger werden.
„Das ist ein erster wichtiger Schritt, damit Urlaub für alle bezahlbar bleibt“, sagt der Präsident des Deutschen Reiseverbandes, Albin Loidl. Nach den Vereinbarungen des Koalitionsausschusses erwartet er auch Entlastungen bei den Gebühren für Flugsicherung und Luftsicherheit. Die Kosten seien nicht nur eine wirtschaftliche Belastung. „Das ist eine soziale Frage. Urlaub muss bezahlbar bleiben – gerade für Familien.“
Die Lufthansa als mit Abstand größte deutsche Airline hält die Entlastungen für notwendig, um das Angebot an deutschen Flughäfen zu sichern. Einzelne Strecken, die bereits zur Disposition standen, könnten nun erneut geprüft werden, kündigte eine Sprecherin an. Die Kunden profitierten unmittelbar von dem Angebot.
Laut Branchenverband BDL sinken die staatlichen Standortkosten für den Luftverkehr um rund 10 Prozent. „Davon profitieren unter anderem die Tourismus- und Messewirtschaft sowie die Logistik in erheblichem Maße“, sagt BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang.
Die Billigairline EasyJet nimmt die deutsche Politik weiter in die Pflicht. Eine Unternehmenssprecherin sagte t-online: „Es kommt nun darauf an, weitere Standortkosten gezielt zu senken – insbesondere die Flugsicherungs- und lokalen Luftsicherheitsgebühren – und die Streichung der PTL-Quote unverzüglich umzusetzen. Nur so lässt sich die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Luftverkehrs stärken und der Markthochlauf nachhaltiger Flugkraftstoffe für eine langfristige und nachhaltige Zukunft der Luftfahrt wirksam vorantreiben.“
Europas größte Direktfluggesellschaft Ryanair hält die Ankündigungen der Regierung für nicht ausreichend. Kanzler Merz müsse weiter gehen und die Steuer nach dem Vorbild anderer Staaten bereits zum Jahresbeginn ganz abschaffen, verlangt Ryanair-Chef Michael O’Leary und nutzte bei t-online die Worte: „dumme und schädliche Steuer“. Die Iren hatten bei einer kompletten Streichung der Ticketsteuer einen massiven Aufbau ihres Angebots an deutschen Flughäfen versprochen.
Mehr Geschäftsreisende erwartet der Tourismuskoordinator der Bundesregierung, Christoph Ploß (CDU). „Ein wettbewerbsfähiger Luftfahrtstandort Deutschland wird nicht nur unsere Volkswirtschaft stärken, sondern die besseren Wettbewerbsbedingungen werden auch dazu führen, dass mehr Touristen und Geschäftsreisende nach Deutschland kommen“, sagte er der Funke Mediengruppe. Besonders profitieren werde der Messestandort Deutschland.
Die Gewerkschaft Verdi verlangt zusätzlich zur Absenkung der Ticketsteuer weitere Entlastungen für den europäischen Luftverkehr. Die heimischen Airlines, Flughäfen und Beschäftigten würden gegenüber Drittstaaten-Airlines systematisch benachteiligt, kritisierte die Vize-Verdi-Chefin Christine Behle. Die europäischen Unternehmen müssten strengere Regeln befolgen, während die Konkurrenz die Vorgaben leicht umgehen könne.
