Debatte über Vanessa Emde
Linke lädt umstrittene Politikerin vor – die meldet sich krank
Aktualisiert am 20.10.2026 – 16:47 UhrLesedauer: 3 Min.
Eine Abgeordnete, die in ihrer Israel-Kritik immer wieder nachlegt, und eine Fraktionsspitze, die ein Problem mit ihr hat: Im Berliner Koalitionspoker bleibt der Streit über Vanessa Emde ungelöst.
In der Berliner Linken gibt es weiter offene Fragen rund um das Thema Antisemitismus und die Positionen zu Israel und zum Nahostkonflikt. Der Spitze der Linken-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus gelang es vorerst nicht, eine Lösung zum weiteren Umgang mit der umstrittenen Abgeordneten Vanessa Emde zu finden. Der Fraktionsvorstand habe in einer digitalen Sitzung beraten, teilte ein Sprecher mit. Emde, die eingeladen war, habe sich krankgemeldet und nicht an der Sitzung teilgenommen.
Der Abgeordneten, die wegen ihrer israelkritischen Positionen mehrfach Diskussionen auslöste, könnte der Ausschluss aus der Fraktion drohen. Der Fraktionsvorstand habe sie erneut zur Sitzung am kommenden Dienstag eingeladen, sagte der Sprecher. Dann werde weiter beraten. An dem Tag tagen sowohl der Fraktionsvorstand als auch die Fraktion selbst.
Umstrittene Thesen zu Israel
Die Politikerin war bei der Wahl am 20. September erstmals ins Abgeordnetenhaus eingezogen. Sie holte mit einem starken Erststimmenergebnis von 46,2 Prozent ein Direktmandat im Wahlkreis Neukölln 1. Im Wahlkampf setzte sie auf das Thema Palästina-Solidarität.
Emde vertrat dabei unter anderem die These, dass es kein Existenzrecht für Staaten gebe, sondern nur für Menschen. Am vergangenen Donnerstag wiederholte sie das in einem Instagram-Video ausdrücklich. „Ich stehe zu meinen Aussagen, und ich nehme keine einzige dieser Aussagen zurück.“

Emde kritisierte in dem Video auch eine Erklärung zum Antisemitismus, die sie wie alle Linken-Fraktionsmitglieder noch zwei Tage zuvor unterschrieben hatte. Darin bekennen sich die Unterzeichner unter anderem zum Kampf gegen Antisemitismus und zum Existenzrecht Israels. Nach Emdes Kritik hatte die Fraktionsspitze erklärt, sie sehe keine Grundlage mehr für eine Zusammenarbeit mit ihr.
Linke will ins Rote Rathaus
Bei der Berlin-Wahl am 20. September war die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden. Dahinter folgen CDU (18,8 Prozent), AfD (16,3 Prozent), Grüne (14,3 Prozent) und die SPD (12,1 Prozent). Die bisher regierende CDU/SPD-Koalition hat ihre Mehrheit verloren. Nun wird nach erfolgreichen Sondierungsgesprächen versucht, eine rot-grün-rote Regierung zu bilden. Gelingt das, könnte Linken-Fraktionschefin Elif Eralp erste Regierende Bürgermeisterin ihrer Partei in Berlin werden.
Antisemitismusdebatte überlagerte Gespräche
Die Diskussion um ein konsequentes Vorgehen gegen Antisemitismus, angefacht durch mehrere Vorfälle in den Reihen der Linken, erschwerte die Gespräche über eine Regierungsbildung von Anfang an. Grüne und SPD forderten von der Linken klare Kante gegen Antisemitismus und pochten darauf, dass es nicht bei einer pauschalen Verurteilung von Judenhass bleiben dürfe.