Konflikt eskaliert in Berlin

Linke greifen linkes Zentrum an


05.07.2026 – 15:49 UhrLesedauer: 5 Min.

Belagerungszustand: Schwarz gekleidete und vermummte Linksextreme lauerten mit möglichen Schlagwerkzeugen vor einem linkes Jugendzentrum und Wohnprojekt und drangen schließlich ein.

Belagerungszustand: Schwarz gekleidete und vermummte Linksextreme lauerten mit möglichen Schlagwerkzeugen vor einem linken Jugendzentrum und Wohnprojekt und drangen schließlich ein. (Quelle: Screenshot Instagram/Reclaim_La_Casa)

In der linken Szene in Deutschland verschärft sich der Konflikt zwischen israel-solidarischen und pro-palästinensischen Aktivisten. In Berlin kam es zu der Belagerung und gewaltsamen Stürmung eines linken Wohnprojekts.

Schwarz gekleidete und vermummte Männer mit Holzlatten in der Hand gehen bedrohlich auf und ab vor einem mit Graffiti übersäten ehemaligen Kindergarten. In dem Gebäude ist ein linkes Zentrum, und zu sehen sind die Bilder auf einem Video, das aus dem Inneren gefilmt wurde. Belagerungszustand – und die Belagerten posteten das Video, um Verstärkung zu bekommen. Die Szenen mündeten darin, dass in rund zehn Metern Höhe auf dem Dach Vermummte mit Baseballschlägern aufeinander losgingen.

Um ein linkes Zentrum in Berlin tobt eine gewalttätig geführte Auseinandersetzung. Das AJZ Kita (Alternative Jugendzentrum Kita) liegt im Stadtteil Marzahn-Hellersdorf, wo die AfD bei der Bundestagswahl 2025 31,2 Prozent der Zweitstimmen erzielte und die Neonazi-Kleinstpartei „III. Weg“ selbstbewusst öffentlich auftritt. Rechtsextreme Gruppen haben der „Kita“ bereits bedrohliche Besuche abgestattet und dort gewütet. Die Bilder sind dieses Mal kaum anders. Aber jetzt stehen sich auf beiden Seiten Linke feindselig gegenüber. Insgesamt 29 Personen nahm die Polizei am Samstag kurzzeitig fest und deren Personalien auf.

Am Samstag nennen die Linken im Haus die Maskierten vor dem Gebäude „Antisemiten“ und werfen ihnen „massive Angriffe“ und „regelrechte Gewaltexzesse“ vor. Die Linken vor dem Gebäude bezeichnen die drinnen als „Zionisten“. Es geht hier auf dem Gelände buchstäblich darum, wer Herr im Haus ist. Das steht stellvertretend dafür, wie die Palästina-Frage deutschlandweit linke Bewegungen spaltet. Deshalb ist es auch nicht nur ein lokaler Berliner Streit.

„New La Casa“ gegen „Reclaim La Casa“

Im AJZ in Berlin fürchtet das israelfreundliche Lager offenbar berechtigt, unterwandert und ausgebootet zu werden. In dem Projekt wolle ein Teil der neu Beteiligten mit ihrem Umfeld „unser antifaschistisches Haus in eine Art antizionistisches Zentrum umwandeln“, heißt es auf Instagram. In dem Jugend- und Wohnprojekt gibt es Werkstatt- und Sportraum, Proberäume für Bands und den Veranstaltungsbereich „La Casa“, den ein Kneipenkollektiv führt. La Casa ist durch Konzerte und Lesungen in der Szene deutschlandweit bekannt.

Beide Lager spitzen es deshalb darauf zu. Die pro-israelische „Reclaim La Casa“-Gruppe („La Casa zurückerobern“) hat nicht länger zuschauen wollen, wie die „Antisemiten“ von „New La Casa“ das Projekt zunehmend vereinnahmen. Das führt dazu, dass 15 Leute am Samstag in das Haus eingedrungen seien, beklagt das Lager „New La Casa“ in einem Statement von „Anarchists4palestine“ auf Instagram.

Das eine Lager warf Kopf des anderen Lagers raus

Für „New La Casa“ war das eine „rücksichtslose Eskalation seitens der Zionisten, die mit eisernem Griff an ihrer verdrehten Art des Antifaschismus festhalten“. Am Samstagmorgen warfen die „Reclaim“-Leute auch nach ihrer Darstellung den Kopf des „New La Casa“-Lagers raus und erklärten das Haus wieder zu ihrem.

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