Wenn Atmen zur Qual wird
Wie Hunde mit kurzer Schnauze leiden
12.11.2025 – 15:45 UhrLesedauer: 3 Min.
Hinter dem niedlichen Äußeren von Möpsen und Bulldoggen stecken oft gesundheitliche Qualen, verursacht durch extreme Zuchtmerkmale. Was das für Hund und Halter bedeutet.
Er wirkt verspielt, seine großen Kulleraugen schauen treu und sein leises Röcheln scheint fast niedlich. Hunde wie Mops, Französische Bulldogge oder Pekinese gelten als charmant und pflegeleicht. Doch was viele als „süß“ empfinden, ist für die Tiere oft mit erheblichen Qualen verbunden. Hinter der runden Schnauze steckt nicht selten ein massives Gesundheitsproblem. Eines, das durch gezielte Zucht sogar noch verschärft wird.
Diese sogenannten kurzköpfigen Rassen, in der Fachsprache „brachyzephale Hunde“, leiden häufig unter chronischer Atemnot, Augenproblemen oder Hitzeempfindlichkeit – ein Zustand, der längst nicht mehr als niedlich, sondern als tierschutzrelevant gilt. Welche Rassen sind davon betroffen?
Der Begriff „Qualzucht“ bezeichnet laut § 11b des deutschen Tierschutzgesetzes die Zucht von Tieren, bei der erblich bedingte Körpermerkmale oder Verhaltensweisen zu Schmerzen, Leiden oder Schäden führen. Bei kurznasigen Hunden betrifft das insbesondere die gezielte Zucht auf einen extrem kurzen Schädel und eine flache Schnauze – Merkmale, die das sogenannte Brachyzephale obstruktive Atemwegssyndrom (BOAS) begünstigen.
Die betroffenen Tiere können oft nicht mehr normal atmen, nicht ohne Mühe fressen und leiden unter ständiger Atemnot – selbst in Ruhephasen. Die Nase ist nicht nur äußerlich verkürzt, sondern auch im Inneren stark verengt. Gaumensegel, Nasenmuscheln und Luftröhre sind häufig fehlgebildet. All das erschwert die Sauerstoffaufnahme erheblich.
Besonders bedenklich: Diese gesundheitlichen Probleme werden nicht zufällig vererbt. Sie sind direkte Folge jahrzehntelanger Zucht auf bestimmte Äußerlichkeiten, etwa das sogenannte Kindchenschema mit großen Augen, kurzer Schnauze und rundem Kopf.
Nicht alle Hunde mit kurzer Nase leiden automatisch unter Brachyzephalie. Doch bestimmte Rassen zeigen ein besonders hohes Risiko. Zu den am stärksten betroffenen gehören:
- Mops: Sehr kurze Schnauze, oft mit zu engen Nasenlöchern, verlängertem Gaumensegel und hervorstehenden Augen. Häufig: Atemnot, Überhitzung, Augenschäden.
- Französische Bulldogge: Häufig Probleme mit Gaumensegel und Kehlkopf. Zusätzlich Wirbelsäulenfehlbildungen und Hautfaltenprobleme.
- Englische Bulldogge: Extrem flacher Schädel, massive Atemnot, Anfälligkeit für Übergewicht und Gelenkprobleme.
- Pekinese & Shih Tzu: Neben Atembeschwerden auch oft Zahnfehlstellungen aufgrund der verkürzten Kiefer.
Einige Rassen sind so stark betroffen, dass normale Bewegungsabläufe wie Rennen oder Springen kaum noch möglich sind. Selbst einfache Aktivitäten wie Gassigehen bei sommerlichen Temperaturen können lebensgefährlich werden.
Nur weil man sich einen Hund mit zu kurzer Schnauze gekauft hat, ist man kein schlechter Mensch. Entscheidend ist der Umgang mit dem Tier. Das Wichtigste: Gesundheitliche Beschwerden sollte man ernst nehmen und tierärztlich abklären lassen. In vielen Fällen können Operationen, wie eine Erweiterung der Nasenlöcher oder Kürzung des Gaumensegels, dem Tier Erleichterung verschaffen.
Wer sich hingegen einen Hund anschaffen möchte, sollte sich umfassend informieren und sich nicht von Modeerscheinungen oder niedlichen Bildern in sozialen Medien leiten lassen. Hunde aus sogenannten Modezuchten, bei denen auf extreme Merkmale gezüchtet wurde, sollten grundsätzlich gemieden werden. Stattdessen lohnt es sich, auf seriöse Züchter mit Gesundheitsnachweisen zu achten oder über die Adoption eines Hundes aus dem Tierheim nachzudenken.
Vor dem Kauf kann zudem eine tierärztliche Beratung helfen, mögliche gesundheitliche Risiken einzelner Rassen besser einzuschätzen. Wichtig ist auch, sich nicht allein von der Optik leiten zu lassen. Wer auf gesundheitlich robuste Rassen setzt, trifft eine Entscheidung im Sinne des Tieres und nicht nur für den eigenen Geschmack.
