„Atlantis Gay Cruise“
Ägypten verweigert Kreuzfahrtschiff das Anlegen
Aktualisiert am 10.07.2026 – 03:44 UhrLesedauer: 2 Min.
Die mit LGBTQ+-Reisenden an Bord fahrende „Scarlet Lady“ darf nicht in ägyptische Gewässer einfahren. Zuvor gab es auch in der Türkei ein Anlegeverbot.
Erst sagte die Türkei nein, nun verweigert auch Ägypten das Anlegen des Kreuzfahrtschiffs „Scarlet Lady“. Eigentlich sollte das Schiff Stopps im türkischen Aydin und im ägyptischen Alexandria machen. Doch beiden Länder haben offenbar ein Problem mit den Passagieren des Schiffs.
Denn das Kreuzfahrtschiff ist im Rahmen der „Atlantis Gay Cruise“ unterwegs, einem Angebot besonders für LGBTQ+-Reisende. Die türkischen Behörden äußerten „moralische Bedenken“. Es sei von Gruppen gechartert, „die für Verhaltensweisen bekannt sind, die mit dem Gefüge unserer Gesellschaft und unseren moralischen Werten unvereinbar sind“, hieß es. Das Schiff setzte dann die Reise in Richtung des nächsten Ziels in Ägypten fort.
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Nachricht kam in der Nacht
Wie der britische „The Guardian“ und die Tourismuswebseite „Schiffe und Kreuzfahrten“ berichten, hätten die Passagiere in der Nacht zum Donnerstag aber eine Nachricht vom Präsidenten von Atlantis Events bekommen, den Organisatoren der Reise. Man dürfe nicht in ägyptische Gewässer einfahren und nicht in Alexandria anlagen.
„Da wir im vergangenen Jahr eine ähnliche Route problemlos absolviert haben, kam diese unglückliche Entscheidung für uns völlig überraschend“, hieß es in der Mitteilung. Man wolle nun einen alternativen Hafen finden. Das Schiff soll planmäßig auch an Kreta anlegen. Von offizieller ägyptischer Seite gibt es bislang keine Stellungnahme.
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Mitreisender Randy Slovacek berichtete in seinem Blog von den Verboten: „In der 36-jährigen Geschichte des Unternehmens ist es noch nie vorgekommen, dass einem Schiff von Atlantis die Einfahrt ins Hafenbecken verweigert wurde. Und nun ist dies innerhalb einer Woche in zwei Ländern passiert.“
Kein ausdrückliches Verbot in der Türkei und Ägypten
Die säkulare Verfassung der mehrheitlich muslimischen Türkei verbietet Homosexualität offiziell nicht. Die Regierung des islamisch-konservativen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan hat ihre Rhetorik gegen Menschen der LGBTQ-Gemeinschaft jedoch zuletzt verschärft.
Homosexuelle Handlungen stehen auch in Ägypten nicht explizit unter Strafe. „Jedoch bestehen weit gefasste Straftatbestände zum Schutz der Moral oder Religion, nach denen auch Homosexualität geahndet werden kann – vor allem, wenn sie offen gezeigt wird“, schreibt das Auswärtige Amt auf seiner Webseite. Das ägyptische Strafgesetzbuch stellt „Unzucht“ (debauchery) unter Strafe. Strafverfolgungsbehörden und Gerichte berufen sich unter anderem auf den entsprechenden Artikel und ein Gesetz zur Bekämpfung der Prostitution von 1961.
